Stand: 26.10.2019 15:27 Uhr

AKW Emsland: Demonstranten fordern sofortiges Aus

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Die Demonstranten sind für die sofortige Stilllegung des Kraftwerks in Lingen. (Archivbild)

Unter dem Motto "Atom und Kohle die rote Karte zeigen" haben am Sonnabend Hunderte Atomkraftgegner in Lingen demonstriert. Sie fordern eine unverzügliche Stilllegung des störanfälligen AKW Emsland und der Brennelemente-Fabrik. An dem Protest beteiligten sich laut Organisatoren rund 350 Aktivisten. Erwartet wurden etwa doppelt so viele.

Kraftwerk in Lingen bereitet Aktivisten "große Sorge"

Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen verwies auf die im Frühjahr festgestellten Risse an Rohren im Primärkreislauf des 1988 in Betrieb genommenen Kraftwerkes. Das seien klare Zeichen von Materialermüdung und das Material werde nicht besser, warnte er. "Das erfüllt uns mit großer Sorge", sagte Eickhoff.

RWE verweist auf "hervorragendes Zeugnis"

Betreiber RWE weist die Vorwürfe der Atomkraftgegner zurück. Vor mehreren Wochen sei ein internationales Expertenteam aus Kernkraftwerksbetreibern 14 Tage zu Besuch gewesen und habe dem Kraftwerk in Lingen im Vergleich zum weltweiten Spitzenstandard ein "hervorragendes Zeugnis" ausgestellt. RWE trat zudem Befürchtungen von Kritikern entgegen, der Konzern spekuliere auf eine Laufzeitverlängerung. "Das Kernkraftwerk Emsland wird planmäßig Ende 2022 seinen Betrieb einstellen."

Zahlreiche Störfälle auch in Brennelemente-Fabrik

In der Kritik der Atomkraftgegner steht auch die Brennelementefertigungsanlage Lingen, die inzwischen einzige in Deutschland. Dort habe es seit Betriebsbeginn vor 40 Jahren mehr als 150 Störfälle gegeben. Ende vergangenen Jahres hatte es in einem Labor gebrannt. Ausgelöst wurde das Feuer seinerzeit durch einen Defekt an einem Verdampfer für uranhaltige Flüssigkeit. Der Betreiber Advanced Nuclear Fuels (ANF) hatte zunächst von einem Feuer im nicht nuklearen Bereich gesprochen, sich dann aber korrigiert.

Atomausstieg betrifft Fabrik nicht

Die Brennelemente-Fabrik beliefert Atomkraftwerke in mehreren Ländern mit Brennstäben, darunter sind auch die als störanfällig geltenden Reaktoren Doel in Belgien sowie Tihange und Fessenheim in Frankreich. Vom Atomausstieg ist sie ausgenommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.10.2019 | 15:00 Uhr

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