Stand: 29.10.2018 18:17 Uhr

Zwischenbericht zur "Glory Amsterdam"-Havarie

Es ist ein Bündel an Ursachen, das zur Havarie der "Glory Amsterdam" vor zwölf Monaten geführt hat. Das ist das vorläufige Fazit der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU), die am Montag ihren Zwischenbericht vorgelegt hat. Als hauptursächlich werden Verständigungs-Probleme und der Umstand ausgemacht, dass nicht rechtzeitig ein sogenanntes Boarding-Team auf dem Havaristen war. Die entscheidende Frage aber, warum der Kapitän der "Glory Amsterdam" den Frachter nicht einfach auf Position hielt, nachdem das Schiff losgerissen wurde, klammert der Bericht aus. BSU-Direktor Ulf Kaspera sagte auf Anfrage von NDR.de, dass in dieser Frage zunächst noch Beteiligte gehört werden müssten. Eine Antwort darauf werde im Abschlussbericht zu finden sein - was allerdings noch Monate dauern kann.

Sprachprobleme erschweren Bergung

Was der Zwischenbericht jedoch jetzt schon feststellt, sind Verständigungs-Probleme zwischen dem Kapitän des Havaristen auf der einen und der zuständigen Verkehrszentrale und dem Schlepper "Nordic" auf der anderen Seite. Weil aufgrunddessen eine Schleppverbindung nicht hergestellt werden konnte, wurde entschieden, das Boarding-Team der "Nordic" per Hubschrauber auf den Frachter abzusetzen. Wegen stürmischer See scheiterte der Versuch jedoch. Die "Nordic" versuchte daraufhin ein weiteres Mal, eine Schleppverbindung per Seil aufzubauen.

Schwierigkeiten bei "seemännischen Handgriffen"

Hier konstatiert der Bericht, dass neben den Sprachproblemen auch "sehr große Schwierigkeiten bei der Ausführung der für die Herstellung einer Leinenverbindung erforderlichen seemännischen Handgriffe" der Decksbesatzung vorhanden waren. Als die Verbindung schließlich doch hergestellt wurde - sieben Stunden, nachdem die "Nordic" vor Ort eingetroffen war - riss das Seil. Ergebnis: Die "Glory Amsterdam" trieb immer weiter in Richtung Langeoog, wo sie schließlich strandete.

Boarding-Team sollte an Land stationiert werden

Als Konsequenz und mit Blick auf die Zukunft empfiehlt der Zwischenbericht, ein Boarding-Team zusätzlich an Land zu stationieren. So könnte das Team ohne Zeitverlust zu einem Havaristen befördert werden. Zudem wird empfohlen, die in staatlichem Auftrag agierenden Notschlepper auch als solche kenntlich zu machen. So werde die Gefahr verringert, dass die staatlich beauftragten Schlepper mit kommerziellen verwechselt werden, wie es der "Glory"-Kapitän getan habe. Laut Bericht nämlich hatte die Schiffsführung nicht zweifelsfrei verstanden, "mit welchem Auftrag und auf welcher rechtlichen Grundlage die 'Nordic' vor Ort agierte." Die Tatsache, dass die "Nordic" im staatlichen Ziel unterwegs war, war für den Kapitän des Frachters "trotz aller verbalen Erklärungsversuche äußerlich nicht klar erkennbar", heißt es im Bericht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 29.10.2018 | 17:30 Uhr

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