Stand: 04.12.2018 20:29 Uhr

Umweltministerium: Kein Nachweis für Wolfs-Attacke

Hat ein Wolf am vergangenen Dienstag in Steinfeld (Landkreis Rotenburg) einen Menschen attackiert? Eine Woche nach dem vermeintlich ersten Angriff eines Wolfes auf einen Menschen in Niedersachsen seit der Rückkehr der Wildtiere liegen nun die Ergebnisse einer DNA-Analyse vor. Ein klarer Nachweis für einen Wolf konnte dabei nicht gefunden werden, erklärte Umweltminister Olaf Lies (SPD) auf einer Pressekonferenz am Dienstag. In den analysierten Proben sei die DNA von Reh, Katze und Hund nachgewiesen worden - nicht aber von einem Wolf. Damit steht allerdings nach wie vor nicht fest, was für ein Tier an dem Vorfall in Steinfeld beteiligt war.

Ein Wolf liegt auf dem Boden

DNA-Analyse: Kein Nachweis für Wolfsangriff

Hallo Niedersachsen -

Eine Woche nach dem vermeintlich erstem Wolfsangriff auf einen Mann stellt sich heraus: Es war offenbar doch kein Wolf. Eine Analyse konnte keine DNA eines Wolfs nachweisen.

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"An keiner Stelle Nachweis für einen Wolf"

Insgesamt waren sieben Proben nach dem Vorfall vor einer Woche im Senckenberg-Institut bei Frankfurt auf DNA-Spuren untersucht worden. In zwei am Tatort gefunden Haarproben sei Reh-Erbgut nachgewiesen worden. Auf dem Pullover des Mannes wurden die Wissenschaftler gleich mehrfach fündig: Neben Katzenhaaren identifizierten sie drei Speichelproben. In zwei dieser Proben wiesen sie Katzen-DNA nach, bei einer Spuren von Katze und Hund. "Es gab aber an keiner Stelle einen Nachweis für einen Wolf", sagte Lies. Gleichwohl können man nicht ausschließen, dass doch ein Wolf in Betracht komme. Er habe sich ein anderes, klareres Ergebnis der Tests gewünscht, um darauf "zielgerichteter agieren zu können", sagte Lies.

Wolfsrudel soll mit Sendern versehen werden

Sein Ministerium lasse nach Angaben von Lies prüfen, ob in der Region eventuell Hunde frei herumlaufen. Außerdem soll das Wolfsrudel dort intensiv beobachtet werden: Nach und nach sollen die zwei Eltern- und sieben Jungtiere eingefangen und mit Sendern versehen werden. So soll unter anderem festgestellt werden, ob sie sich Menschen nähern, weil sie die Scheu verloren haben. Die Besenderung könne allerdings "Wochen oder Monate" dauern, so Lies.

Qualität der Spuren womöglich beeinträchtigt

Dass nun kein abschließende Klärung vorliegt, führt Lies auch auf eine Verzögerung zwischen dem geschilderten Angriff und der Sicherung von Spuren zurück. Der 55-jährige Gemeindemitarbeiter hatte am vergangenen Mittwoch bei der Polizei geschildert, dass einen Tag zuvor bei Arbeiten an einer Friedhofsmauer ein Wolf nach seiner Hand geschnappt habe. Drei weitere Wölfe hätten die Szene beobachtet. Die nun analysierten Proben - vor Ort gefundene Tierhaare, der Pullover des Mannes und ein Hammer, mit dem der 55-Jährige nach eigenen Angaben das Tier abgewehrt hatte, wurden daher erst einen Tag nach dem Vorfall gesichert. Die Qualität der Spuren sei dadurch womöglich beeinträchtigt worden, sagte Lies. Der Abschlussbericht des Senckenberg-Instituts, das alle genetischen Untersuchungen zum Thema Wolf in Deutschland zuständig ist, wird am Freitag erwartet.

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