Stand: 04.09.2020 18:43 Uhr

Umstrittenes Symbol: Bauernverband gegen Fahne

Vor dem Trecker sind zwei Flaggen festgemacht. © NDR Foto: Screenshot
Die Flaggen der Landvolkbewegung sind bei den aktuellen Protesten wieder zu sehen - so wie hier bei einer Demo in Schleswig-Holstein (Archivbild).

In den vergangenen Monaten haben Bauern wiederholt auch in Niedersachsen mit Trecker-Korsos gegen Umweltauflagen des Bundes protestiert. Zum Einsatz kam dabei offenbar wiederholt eine umstrittene Fahne, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Abgebildet ist darauf ein weißer Pflug mit rotem Schwert auf schwarzem Grund. Die Flagge provoziert nicht nur wegen ihrer schwarz-weiß-roten Farbgestaltung, sondern auch durch ihren historischen Hintergrund: Sie ist das Symbol der Landvolk-Bewegung aus den 20er-Jahren. Diese gilt als völkisch-nationale Gruppierung, deren Mitglieder auch Bombenanschläge verübten. Erst im Juni hatten mehrere Hundert Landwirte in Schleswig-Holstein für einen Eklat gesorgt, als sie das Symbol bei einer Aktion auf einer Koppel nachbildeten.

Landvolk rät zum Verzicht

Verboten ist die Fahne nicht - aber die Kritik an ihrer Verwendung bei den aktuellen Bauernprotesten wächst. In Ostfriesland soll das nun Konsequenzen haben. Die Fahne soll dort nicht mehr zum Einsatz kommen. Dafür will sich der ostfriesische Landvolkverband einsetzen. "Wir werden nicht mehr dazu aufrufen, sie mitzunehmen", sagte Maren Ziegler, Geschäftsführerin des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland (LHV). Sie geht davon aus, dass viele Landwirte sich daran halten werden und die Flagge auch nicht mehr verwenden werden. Ob sie alle Mitglieder erreicht, hält sie selbst für fraglich. "Wir können denen keine Vorschriften machen. Das ist eine eigene Entscheidung", sagte Ziegler.

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"Das weckt ganz üble Erinnerungen"

Im Landesmuseum Oldenburg ist die Flagge zu sehen - als Zeitzeugin einer finsteren Epoche. Das Museum hat sie 1942 von der Bäuerlichen Notgemeinschaft Butjadingen gekauft. Bei den aktuellen Bauernprotesten hält Kurator Michel Reinbold die Flagge "für einfach fehl am Platz". Dies sei genauso, wie wenn man schwarz-weiß-rote Flaggen vor dem Reichstag in Berlin schwenkt - wie jüngst im Zusammenhang mit einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung geschehen. "Das ist ein Anachronismus und das weckt ganz üble Erinnerungen", so Reinbold.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 04.09.2020 | 17:00 Uhr

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