Tödlicher Bootsunfall in Barßel: Angeklagter beteuert Unschuld

Stand: 16.08.2021 15:21 Uhr

In Emden wird über den Bootsunfall von Barßel mit zwei Toten aus dem Jahr 2016 verhandelt. Angeklagt ist ein heute 30-Jähriger. Er schilderte zum Prozessauftakt seine Sicht auf die Nacht.

Der Bootsführer ist wegen fahrlässiger Tötung, gefährlicher Körperverletzung und Trunkenheit im Verkehr angeklagt, wie das Amtsgericht Emden mitteilte. Der Angeklagte beteuerte vor Gericht, dass sein Boot in der fraglichen Nacht auf der rechten Seite des Barßeler Tiefs (Landkreis Cloppenburg) gefahren sei. Es sei zudem korrekt beleuchtet gewesen und er sei auch nur mit mäßiger Geschwindigkeit über das Wasser gefahren. Die vorgeschriebenen zehn Kilometer pro Stunde habe er eingehalten. Es sei bis zum Unfall eine "gemütliche Fahrt" gewesen, sagte er. Dann sei ihm allerdings plötzlich das andere Boot entgegengekommen - mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit, sodass er den Zusammenstoß nicht mehr verhindern konnte, sagte der 30-Jährige aus. Eine Zeugin, die heute ebenfalls gehört wurde, hatte seine Version bei der polizeilichen Vernehmung zunächst bestätigt, konnte sich aber heute vor Gericht nicht mehr genau erinnern.

Angeklagter hatte 1,89 Promille

Bei dem Unfall 2016 waren zwei PS-starke Motorboote mit je vier Personen an Bord inmitten der Nacht vom Barßeler Hafenfest zu einer Spritztour auf dem Tief aufgebrochen und mit hohem Tempo zusammengestoßen. Eine 24-Jährige und der 27-jährige andere Bootsführer starben, weitere Personen wurden schwer verletzt. Beim Angeklagten wurden später 1,89 Promille Alkohol im Blut gemessen. Dieser hohe Wert habe ihn überrascht, gab der Angeklagte bei seiner Aussage an. Auch bei den anderen Mitfahrern und dem getöteten Bootsführer war Alkohol im Spiel.

Zweifel an Sachverständigen

Der Prozess hatte sich immer wieder verzögert, unter anderem weil die Zuständigkeit der Gerichte lange nicht geklärt war. Zwei Amtsgerichte hatten sich gegenseitig den Fall zugeschoben, weil der Unfall genau auf der Grenze der Landkreise Cloppenburg und Ammerland geschehen war. Schließlich entschied der Bundesgerichtshof, dass nun beim Emder Amtsgericht verhandelt wird. Dort wurde aber bisher vor allem über den Sachverstand der Gutachter gestritten, sodass der Prozess nun neu aufgerollt wird.

Urteil Anfang September

Das Interesse der Öffentlichkeit ist groß. Verhandelt wird darum nicht im engen Gerichtsgebäude, sondern im größeren ehemaligen Pumpwerk. Das Urteil soll nach dem bisherigen Stand am 6. September fallen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 16.08.2021 | 06:30 Uhr

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