Stand: 05.07.2019 21:15 Uhr

Telemedizin: Positives Fazit zur Projekt-Halbzeit

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Projekt Telemedizin: Speziell ausgebildete Notfallsanitäter oder Gesundheitspfleger übernehmen an Wochenenden Hausarztdienste auf dem Land.

Der Einsatz von Telemedizin zur Entlastung von Hausärzten auf dem Land scheint sich zu bewähren. Zur Halbzeit eines Modellprojekts in den Regionen Delmenhorst, Ganderkesee (Landkreis Oldenburg) und Lemwerder (Landkreis Wesermarsch) ziehen die Verantwortlichen ein erstes positives Fazit. Es gebe durchweg positive Reaktionen aus der Bevölkerung, sagte Helmut Scherbeitz von der Kassenärztlichen Vereinigung. Da Hausärzte immer älter werden und Praxen in den ländlichen Regionen immer weniger, übernehmen sechs speziell ausgebildete Notfallsanitäter oder Gesundheitspfleger die Notdienste an Wochenenden und Feiertagen. Bei schwerwiegenderen medizinischen Notfällen stehen sie über Telemedizin in Kontakt mit einem Arzt in der Rettungsleitstelle Oldenburg.

Rund 33 Prozent der Einsätze Fälle für die Notaufnahme

Nach Angaben von Projektleiter und Oberarzt Daniel Oberheu habe es bis Ende Juni 273 Einsätze gegeben. In 58 Prozent der Fälle sei Telemedizin angewendet worden, etwa wenn ein EKG über das Mobiltelefon in die Leitstelle übertragen worden ist. "Meist reicht ein Anruf, um sich zu beraten", sagte Overheu, ärztlicher Leiter Telemedizin am Klinikum Oldenburg. Sollte ein Notfall vorliegen, werde der Patient ins Krankenhaus gebracht. Dies sei bei rund einem Drittel der Einsätze geschehen. "Die meisten Menschen brauchen Kümmerer", so Overheu. "Die Standardreaktion der Patienten ist: Hauptsache, es mir wird geholfen", sagte Klaus-Dieter Berner, Projektbeauftragter bei der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Bei Fortführung nach Projektphase wären Kassen in der Pflicht

Ob das Projekt über den 31. Dezember hinaus fortgeführt wird, ist offen. Finanziert wird die Telemedizin bisher über Mittel des Europäischen Sozialfonds, der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, der Johanniter und des Klinikums Oldenburg. Würde das Projekt nach der Testphase weiterlaufen, müssten die Krankenkassen bezahlen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.07.2019 | 15:00 Uhr

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