Stand: 20.08.2020 15:41 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

"Polarstern" erreicht fast eisfreien Nordpol

Auf dem Weg nach Norden ist das Meereis überraschend schwach, hat viele Schmelzteiche und Polarstern kann es leicht brechen. © AWI Foto: Steffen Graupner
Auf dem Weg nach Norden wird die "Polarstern" kaum gestoppt - das Meereis ist überraschend schwach.

Früher als gedacht hat das Forschungsschiff "Polarstern" auf seiner Expedition den Nordpol erreicht. Am Mittwoch überquerte das Schiff den nördlichsten Punkt der Erde, wie das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven mitteilte. "Es war ein unglaublich schneller Ritt", sagte Expeditionsleiter Markus Rex. Die Freude darüber hält sich bei den Forschern in Grenzen - denn die höhere Geschwindigkeit des Schiffes hat direkt mit dem Zustand des Meereises zu tun.

Offenes Wasser statt dicker Eisschichten

Die eingeschlagene Route der "Polarstern" nördlich von Grönland sei in der Vergangenheit dicht mit teilweise mehrjährigem Eis bedeckt gewesen. Weil Satellitenaufnahmen aber nur eine lockere Eisbedeckung zeigten, wählten die Forscher den Kurs als direkten Weg. Unterwegs bestätigte sich der Eindruck: Das Meereis sei großflächig geschmolzen und überaus schwach, teilten die Forscher mit. Der Eisbrecher konnte daher größtenteils im offenen Wasser fahren, wie Rex sagte.

Kapitän: Veränderung von historischem Ausmaß

"Polarstern"-Kapitän Thomas Wunderlich sieht gar eine Veränderung von historischem Ausmaß. "Sogar nördlich von 88 Grad Nord sind wir meist mit fünf bis sieben Knoten unterwegs, das habe ich so weit im Norden noch nicht erlebt." Das Eis sei selbst in dieser Region angetaut "und dementsprechend weich und löchrig", so Wunderlich. Bereits im Juli hatte das AWI mitgeteilt, dass die arktische Meereisausdehnung so gering ist, wie es seit Beginn der Satellitenmessungen für den Monat Juli noch nie beobachtet wurde. Gewöhnlich erreicht das arktische Eis im März seine größte und im September seine geringste Ausdehnung. Bereits im vergangenen Jahr wurde in dem Areal die zweitgeringste Ausdehnung seit 1979 beobachtet. 

Expedition geht in letzte Phase

Ein Schiff mit Kran im Eis bei tiefem Sonnenstand. © picture alliance Foto: Stefan Hendricks
Seit knapp einem Jahr erforschen Wissenschaftler auf der "Polarstern" die Auswirkungen des Klimawandels. (Archivbild)

Mit dem Passieren des Nordpols geht die vor rund elf Monaten begonnene MOSAiC-Expedition in ihre letzte Phase: Nun wollen die Forscher die sogenannte Gefrierphase in den Fokus nehmen. Es sei das letzte Puzzlestück, das ihnen in der Beobachtung des gesamten Jahreszyklus des Eises der Arktis noch fehle, hieß es. Die Expedition geht dafür nun Richtung Sibirien. Dort wolle man eine neue Eisscholle suchen, sagte Expeditionsleiter Markus Rex. Damit kehrt die "Polarstern" wieder zu ihrer ursprünglichen Reiseform zurück: Zu Beginn ihrer Arktis-Expedition driftete sie mit einer riesigen Scholle mit, Ende Juli zerbrach diese. Seitdem fuhr der Eisbrecher unter Motor wieder Richtung Norden. Mit der Expedition will ein internationales Forscherteam die komplexen Umweltprozesse und die Folgen des Klimawandels in der Arktis besser verstehen.

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Eisschollen treiben auf dem Meer. © Alfred-Wegener-Institut Foto: Esther Horvath

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.08.2020 | 12:00 Uhr

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