Stand: 22.09.2017 18:42 Uhr

Pestizide in zahlreichen Biersorten nachgewiesen

Diese Nachricht dürfte bei Millionen Biertrinkern für Beunruhigung sorgen: Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg hat herausgefunden, dass in zahlreichen Biersorten erhebliche Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten sind. Bei einer Untersuchung entdeckten die Forscher in 18 von 22 Proben Spuren von unterschiedlichen Pestiziden. Um welche Biersorten es sich handelt, teilte das LAVES aus Datenschutzgründen nicht mit. Auch über die Menge der Rückstände in den jeweiligen Bieren machte das Landesamt für Verbraucherschutz keine Angaben. Eine Sprecherin sagte gegenüber NDR.de lediglich, dass eine Rückrechnung der Werte auf die Ausgangsstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe nicht möglich sei, da die genaue Zusammensetzung der Biere unbekannt sei.

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Pestizide im Bier entdeckt

Hallo Niedersachsen -

Bei einer Untersuchung haben Forscher in 18 von 22 Bierproben Spuren von unterschiedlichen Pestiziden gefunden. Verbraucherschutzminister Meyer spricht von einem "Gift-Cocktail".

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Meyer fordert "Null-Toleranz-Politik"

Der niedersächsische Verbraucherschutzminister Christian Meyer (Grüne) zeigte sich von den Ergebnissen entsetzt und sprach von einem "regelrechten Gift-Cocktail". Es sei erschreckend, wenn beispielsweise Glyphosat im Bier entdeckt werde. Schließlich stehe das Herbizid im Verdacht, krebserregend zu sein, so der Minister. Von daher könne er gesundheitliche Risiken für Biertrinker auch nicht ausschließen. Meyer sprach sich deshalb für schärfere Regeln beim Einsatz von Pestiziden und Herbiziden und eine Politik der "Null-Toleranz" aus. "Bier muss frei sein von Rückständen", sagte er. Es dürften in der Landwirtschaft nur Stoffe eingesetzt werden, die für Menschen und Umwelt nachweislich ungefährlich sind. Konkrete Konsequenzen werden die Ergebnisse der Untersuchung allerdings nicht haben. "Da es für Bier keine festgelegten Höchstgehalte gibt, liegt hier rein lebensmittelrechtlich kein Verstoß vor", sagte ein Sprecher des Ministeriums gegenüber NDR.de. "Von daher können wir auch nichts unternehmen."

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LAVES entdeckt Pflanzenschutzmittel in Bierproben

Das LAVES in Oldenburg hat insgesamt 22 Sorten Vollbier auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht. Die genauen Ergebnisse finden Sie hier im Download. Download (68 KB)

Bis zu drei Rückstände pro Biersorte

Das LAVES hatte insgesamt 21 Biere aus Deutschland und eins aus Belgien untersucht, die nach Angaben der Sprecherin nach dem Zufallsprinzip im Einzelhandel gekauft wurden. In zehn Proben wurde ein Pflanzenschutzmittel nachgewiesen, sechs Proben wiesen zwei Wirkstoffe auf und in zwei Fällen konnten sogar jeweils drei Pestizid-Rückstände bestimmt werden. Am häufigsten wurden Rückstände des Halmverkürzungsmittels Chlormequat (neun Mal) sowie Glyphosat (sieben Mal) entdeckt. Nachgewiesen wurden zudem Spuren von Boscalid, Mepiquat und Mandipropamid. Rückstandsfrei waren lediglich vier Biere, darunter eine Bio-Sorte. Laut LAVES deutet das Ergebnis darauf hin, dass im Hopfen- und Getreideanbau eingesetzte Pestizide den Brauprozess zumindest teilweise überstehen und in die Endprodukte gelangen.

Brauerverband: "Absolut unbedenklich"

Der Deutsche Brauerverband betonte, dass Brauereien einen hohen Aufwand betrieben, um sicherzustellen, dass ihre Rohstoffe möglichst rein seien. "Das Monitoring zeigt, dass die in den deutschen Brauereien eingesetzten Malze ganz überwiegend frei von Glyphosat-Rückständen sind", schrieb der Verband in einer Mitteilung. In Messungen lägen die Pflanzengiftwerte in Hopfen, Gerste und Weizen jeweils weit unter den europaweit gesetzlich festgelegten Rückstandshöchstwerten. Sie seien daher "absolut unbedenklich".

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Bundesinstitut sieht keine Gefahr

Bei ähnlichen Untersuchungen des Münchner Umwelt-Instituts im vergangenen Jahr waren Werte zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm Glyphosat pro Liter gemessen worden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hatte in einer früheren Stellungnahme betont, es sei erwartbar und plausibel, dass es Rückstände in Lebensmitteln gebe, da Glyphosat ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel sei. Auch bei anderen aus Getreide bestehenden Lebensmitteln gibt es Spuren von Pflanzengiften. Nach Berechnungen des Bundesinstituts müsste ein Erwachsener mit einem Gewicht von 60 Kilogramm etwa 1.000 Liter Bier täglich trinken, damit das enthaltene Glyphosat die Gesundheit gefährden würde.

Die Europäische Kommission will bis zum Jahresende entscheiden, ob das umstrittene Mittel für weitere zehn Jahre zugelassen wird. Nach einer Studie der europäischen Chemikalienagentur ECHA hält die EU-Kommission den Krebsverdacht jedoch für ausgeräumt und die Substanz für sicher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.09.2017 | 12:00 Uhr

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