Stand: 29.05.2017 20:26 Uhr

Ostfriesentee und Blaudruck sind Kulturerbe

Die Ostfriesische Teekultur und der Blaudruck: Zwei Brauchtümer aus Niedersachsen sind am Montag in Berlin als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet worden. Die Deutsche UNESCO-Kommission, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Martina Münch (SPD), übergaben die Urkunden. Bundesweit wurden insgesamt 34 Kulturformen und Bräuche neu in die deutsche Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Ritual der Teezeremonie über Generationen weiter vermittelt

Der Teegenuss habe sich in den vergangenen 300 Jahren in Ostfriesland als eigenständige Kultur entwickelt, hieß es von der UNESCO-Kommission. Ausschlaggebend für die Aufnahme sei gewesen, dass die Ostfriesische Teekultur prägend sei - und zum Beispiel auch Eingang in die Sprache gefunden habe, so die Kommission. So gebe es zahlreiche Redewendungen und Ausdrücke im Plattdeutschen rund um den Tee. Außerdem würden das Ritual der Teezeremonie und Vorlieben für bestimmte Mischungen oft von Generation zu Generation weitergegebem. Der Leiter des Ostfriesischen Teemuseums in Norden, Matthias Stenger, freute sich über die Annerkennung der Teekultur als "Zeichen gegen die Hektik in der heutigen Zeit". Das besondere an der Ostfriesischen Teekultur sei die Ruhe, die nötig sei, um den Tee richtig zuzubereiten und zu genießen, sagte Stenger. Die Ostfriesen sind Stenger zufolge mit 300 Litern im Jahr Weltmeister im Teetrinken. Der Durchschnittsdeutsche komme gerade einmal auf 28 Liter.

Kluntje-Knistern das "Lieblingsgeräusch" der Ostfriesen

Als "richtigen Tee" bezeichnete der Museumsleiter nur die geschützte "echte Ostfriesische Teemischung" aus kräftigen und aromatischen schwarzen Teesorten, denn nur diese werde in der Region gemischt und verpackt. Um Tee richtig zuzubereiten, seien Zeit und Sorgfalt nötig. Das Knistern des obligatorischen Kluntje-Zuckers im Tee sei das "Lieblingsgeräusch" der Ostfriesen. Ganz wichtig: Die Tee-Sahne entgegen dem Uhrzeigersinn in den Tee geben, so dass sich kleine Wölkchen ("Wulkje") bilden. Umgerührt werde nicht. Der erste Schluck müsse mild und sahnig, der zweite kräftig, bitter und aromatisch und der dritte "himmlisch süß" sein.

Blaudruck soll auf internationale Liste

Eine ähnlich lange Geschichte wie die Teekultur hat das Blaudruckverfahren. Es wird auf Naturmaterialien wie Leinen, Baumwolle oder Seide angewandt. Mit der Industrialisierung haben die meisten Druckereien geschlossen. Heute existieren nur noch wenige Blaudruck-Werkstätten, vor allem in Niedersachsen. Unter anderem in Einbeck (Landkreis Northeim), Jever (Landkreis Friesland) und Scheeßel (Kreis Rotenburg/Wümme) fertigen Familienbetreibe auch heute noch Stoffe an, die zu Tischtüchern, Vorhängen, Hemden oder Meterware verarbeitet werden. Auch für die Herstellung von Trachten spielt der Blaudruck eine wichtige Rolle. Die Technik soll in diesem Jahr gemeinsam mit Österreich, Ungarn, Tschechien und der Slowakei für die internationale UNESCO-Liste nominiert werden.

"Essenzieller Teil unserer Identität"

Die neu aufgenommenen Bräuche wurden von der Deutschen UNESCO-Kommission vorgeschlagen und von der Kultusministerkonferenz in das deutsche Verzeichnis aufgenommen. Durch die 34 Neuaufnahmen verdoppelt sich die Zahl des deutschen immateriellen Kulturerbes auf 68. "Die Bräuche, Fertigkeiten und Kenntnisse, die mit diesem Erbe oft von Generation zu Generation weitergegeben werden, sind essenzieller Teil unserer Identität und unseres Selbstverständnisses", so Kulturstaatsministerin Grütters. Sie zeigten, wie Tradition und Innovation, Kontinuität und Wandel miteinander verknüpft werden könnten. Die in die Liste aufgenommenen Kulturformen können nun besonders gefördert werden.

Weitere Neuaufnahmen in Kulturerbe-Verzeichnis

Neben der Teekultur und dem Blaudruck wurden 32 weitere Kulturformen in die Liste aufgenommen. Einige davon prägen auch das Leben in Niedersachsen und werden hier gepflegt. Eine Auswahl:

  • Märchenerzählen

  • Poetry-Slam

  • Instrumentales Laien- und Amateurmusizieren

  • Posaunenchöre

  • Skat spielen

  • Hebammenwesen

  • Flechthandwerk

Deutsches UNESCO-Verzeichnis

Im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes befinden sich laut Deutscher UNESCO-Kommission nun 68 Einträge. "Das Verzeichnis soll von Jahr zu Jahr wachsen und langfristig die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in und aus Deutschland sichtbar machen. Es wird in einem mehrstufigen Verfahren von der Deutschen UNESCO-Kommission und verschiedenen deutschen staatlichen Akteuren erstellt. Es handelt sich also um kein UNESCO-Verzeichnis", heißt es auf der Webseite.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 29.05.2017 | 09:30 Uhr

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