Niedersachsen will Zahl der Meeresmülleimer verdoppeln

Stand: 03.08.2021 11:34 Uhr

Der Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (NPorts) will weitere schwimmende Meeresmülleimer gegen Plastikmüll in der Nordsee einsetzen. Erste Tests gab es in Wilhelmshaven, Emden und Cuxhaven.

Dort sind mehrere dieser Geräte im Einsatz, künftig soll die Anzahl verdoppelt werden. Auch weitere Einsatzorte etwa an den Versorgungshäfen zu den Inseln und im Binnenland sollen geprüft werden. Niedersachsen Ports ist Eigentümer und Betreiber von fünf Seehäfen, den Versorgungshäfen der Ostfriesischen Inseln und drei Regionalhäfen. Etwa 5.000 Euro kostet ein solches Gerät, auf Englisch "seabin" genannt.

Auch Öl kann gefiltert werden

Die Meeresmülleimer sind schwimmende Fangkörbe, die mit einer Tauchpumpe ausgestattet sind. Diese saugt Treibgut wie etwa Plastikfetzen, Flaschenverschlüsse, Styroporklumpen und auch Algen an, die auf der Wasseroberfläche schwimmen. Das Sammelgut bleibt im Auffangbeutel hängen. Die organischen Teile wie Algen oder Treibsel, die auch im Eimer landen, werden mit der Hand aussortiert. Auch bis zu zwei Millimeter messende Kleinteile sowie Öl können aus dem Wasser gefiltert werden. Im Monat können mit einem Gerät zwischen 120 bis 140 Liter Plastikmüll aus dem Wasser gefischt werden.

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Plastik zersetzt sich immer weiter

Nach Angaben der Bundesregierung sind in den vergangenen Jahren an der Nordsee durchschnittlich 550 Müllteile pro Strandabschnitt gefunden worden. Bei einer anderen Erhebung des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2017 kam heraus, dass 88 Prozent des Mülls aus Plastik bestanden. Der Kunststoff von Verpackungen zersetzt sich etwa mit der Zeit in immer kleinere Mikroplastikteile, erklärte Bernhard Bauske, Meeresmüll-Experte bei der Umweltschutzorganisation WWF, kürzlich anlässlich einer NPorts-Veranstaltung zu Meeresmüll.

Kleinstplastik gelangt in den Nahrungskreislauf

Diese schwer abbaubaren Partikel wiederum würden von Meeresbewohnern aufgenommen. Weltweit seien 700 marine Tierarten durch den Plastikmüll in den Meeren bedroht. Das Einsammeln von Müll auf der Wasseroberfläche mithilfe der sogenannten Seabins könne letztendlich ein Mosaikstein in einer übergreifenden Strategie bleiben, sagte Lars Gutow, Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut (AWI). Es könne dazu beitragen, dass der Müll nicht auf den Meeresboden sinke. Denn dann bräuchte es Schleppnetze, um Müll wieder einzusammeln - von denen gingen aber starke Beeinträchtigungen für die Meeresumwelt aus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.08.2021 | 12:00 Uhr

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