Stand: 01.10.2012 15:14 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Neue Mediziner für das flache Land?

Der Dekan der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften: Prof. Dr. Eckhart Hahn in Nahaufnahme © Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Foto: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Bundesweit einmalig ist der Medizinstudiengang, den die Uni Oldenburg (hier Dekan Eckhart Hahn) ins Leben gerufen hat.

So sieht also ein Medizinertest an der European Medical School (ESM) aus. Aus drei Papierstücken und Büroklammern mussten die Kandidaten für den neuen Medizinstudiengang an der Oldenburger Carl-von-Ossietzky-Universität einen Turm basteln. Doch keine Angst: Das war (zum Glück) nicht die einzige Hürde, die die 1.200 Bewerber für die 40 Plätze zu überwinden hatten. Nur mit einer guten Abiturnote kamen die Kandidaten in die engere Auswahl. Und um die Teamfähigkeit unter Beweis zu stellen, gab es dann Prüfungen wie den Papierturm. Heute ist der bundesweit einmalige Modellstudiengang in Oldenburg gestartet.

Vorlesungen auch in Groningen

Das "bundesweit einmalige" rührt daher, dass die neuen Medizinstudenten parallel in Oldenburgs Partnerstadt Groningen die Grundlagen der Anatomie oder Chirurgie erlernen können. In den Niederlanden können die deutschen Studenten dann auch Bachelor- und Masterabschlüsse ablegen. Das ist auch einer der Gründe, warum sich etwa der 20-jährige Simon Lang für diese Fachrichtung entschieden hat. "Es ist vorteilhaft, wenn man später auch im medizinischen Bereich englische Begriffe beherrscht. Außerdem reizt es mich, ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen", sagte der Studienanfänger NDR 1 Niedersachsen.

Neue Ärzte für die Region

Lang ist übrigens beinahe eine Ausnahmeerscheinung. Denn in Oldenburg liegt die Männerquote bei gerade einmal 30 Prozent. Dazu kommt ein Großteil der Erstsemester direkt aus dem Nordwesten der Republik. Das allerdings nicht ganz zufällig: In der ländlichen Region um Oldenburg herrscht nicht gerade ein Überschuss an Ärzten. Deshalb hoffen der Dekan Eckhart Hahn und seine Mitstreiter, dass sich möglichst viele Oldenburger Medizinstudenten später für eine Praxis in der Gegend entscheiden. "Wir möchten gerne, dass die für den Beruf gut geeigneten Menschen im Nordwesten auch hier bleiben", sagt er. Auch deshalb fördert das Land Niedersachsen den Studiengang bis 2015. Rund 49 Millionen Euro fließen an die EMS.

Praxis steht im Vordergrund

Das neue, sogenannte Modulgebäude der "European Medical School". © NDR Foto: Oliver Gressieker
Die neue Heimat der 40 Medizinstudenten in Oldenburg: Das Modulgebäude der European Medical School.

Einer der Schwerpunkte des Studiums liegt in Oldenburg ganz klar auf der Praxis - auch das ein deutlicher Unterschied zum herkömmlichen Medizinstudium. Bereits in der ersten Woche kommt zum Beispiel ein echter Patient in die Vorlesung. Dazu stehen viele Praktika in Krankenhäusern und Arztpraxen auf dem Lehrplan. Und spätestens dann werden die angehenden Mediziner wohl zeigen müssen, dass sie nicht nur kleine Türme aus Büroklammern basteln können.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 01.10.2012 | 17:00 Uhr

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