Stand: 30.01.2020 17:11 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Nach Protest: Edeka und Bauern planen Rollentausch

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Edeka und niedersächsische Landwirte haben sich nach dem Werbestreit in Minden auf einen Kompromiss geeinigt.

Niedersächsische Landwirte und Edeka haben nach Protesten gegen eine umstrittene Werbekampagne einen Kompromiss erarbeitet: Edeka lässt die Plakate mit Otto Waalkes hängen, überklebt die Sprüche für billiges Essen aber mit neuen Slogans, die die Qualität der Lebensmittel betonen sollen. Welche Slogans das konkret sein sollen, will Edeka auf Anfrage von NDR.de vorab nicht mitteilen. Die Plakate sollen laut einer Pressesprecherin "so schnell wie möglich" überklebt werden. Nach dem Gespräch mit den Landwirtschafts-Vertretern kündigte der Lebensmittelhändler unterdessen an, jetzt enger mit den Landwirten zusammenarbeiten zu wollen. Laut Edeka sollen sowohl die Bauern als auch die Kaufleute die Gelegenheit erhalten, für einen Tag in den Job des jeweils anderen einzutauchen.

"Sensible Situation in der Landwirtschaft unterschätzt"

"Es ist in unserem ureigenen Interesse, eine gute Beziehung mit den regionalen Erzeugern und Produzenten zu pflegen", sagte Edeka-Vorstandssprecher Mark Rosenkranz. "Die derzeit sehr sensible Situation in der Landwirtschaft haben wir unterschätzt." Anlass für den Ärger war ein Werbeplakat, auf dem Komiker Otto Waalkes zum 100-jährigen Firmenbestehen mit dem Spruch "Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten" wirbt. In der Nacht zu Montag blockierten rund 200 Landwirte mit Treckern die Zufahrten zum Zentrallager von Edeka in Wiefelstede (Landkreis Ammerland). Sie forderten, dass sich Edeka öffentlich entschuldigt und die Werbekampagne stoppt.

Lebensmittelhändler spricht von Missverständnis

Edeka erklärte, es handele sich um ein Missverständnis: Gemeint war demnach die Gemeinde Essen in Landkreis Cloppenburg, "nicht Essen im Sinne von Lebensmitteln". Die Plakate der regionalisierten Marketing-Kampagne, die zu dem Missverständnis geführt hätten, seien "nach den ersten Hinweisen umgehend entfernt" worden.

Bauern: Edeka ist nur der Anfang

Edeka ist nur eine von vielen Ketten, die mit Billigpreisen wirbt. Auch die Edeka-Tochter Netto wirbt seit Jahresbeginn mit dem RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat für Billigpreise. Laut Landwirt Douwe Wittbard aus der Wesermarsch von der Organisation "Land schafft Verbindung", der die Verhandlungen mit Edeka geführt hatte, sollen alle Discounter noch ihr "Fett wegbekommen". Mit dem jetzt ausgehandelten Kompromiss zeigte er sich zufrieden. Eine weitere Blockade des Lagers im Ammerland ist damit vom Tisch. An dem Treffen nahmen auf der Seite der Landwirte neben Wittbard unter anderem zwei Landwirte aus der Region, zwei Landfrauen sowie zwei Vertreter des Landvolks teil. Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke saß ebenfalls in Minden mit am Tisch.

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Kritik an der Edeka-Kampagne gab es auch von CDU und Grünen im Bundestag. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) äußerte Unverständnis darüber, dass ausgerechnet Lebensmittel als Lockangebote im Supermarkt dienten. Niedrige Preise für Nahrungsmittel sind den Angaben zufolge in der kommenden Woche auch Thema eines Spitzentreffens im Kanzleramt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.01.2020 | 07:30 Uhr

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