Stand: 20.06.2019 19:44 Uhr

Nach Högel-Prozess: Oldenburger Klinikchef geht

Der Vorstand des Oldenburger Klinikums, Dirk Tenzer, wird das Krankenhaus vorzeitig verlassen. Das Klinikum bestätigte entsprechende Berichte von NDR 1 Niedersachsen in einer Pressemitteilung. Demnach haben Tenzer und der Verwaltungsrat des Klinikums Oldenburg in gegenseitigem Einvernehmen entschieden, dass die Zusammenarbeit nicht weiter fortgesetzt wird. Die Begründung Tenzers: Die Kritik an ihm habe in den vergangenen Wochen auch das Klinikum und seine Mitarbeiter erreicht.

Vorwürfe und Rücktrittsforderungen

Der Vorsitzende Richter im Mordprozess gegen den Patientenmörder Niels Högel am Landgericht Oldenburg, Sebastian Bührmann, hatte dem Klinikchef Vertuschung vorgeworfen. Die Oldenburger CDU hatte daraufhin den Rücktritt Tenzers gefordert, der erst im vergangenen Jahr seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert hatte. Der Verwaltungsrat sieht nach eigenen Angaben kein Fehlverhalten bei Tenzer. "Deshalb sind die öffentlichen Vorwürfe um seine Person für den Verwaltungsrat nicht nachvollziehbar", heißt es in der Pressemitteilung.

Wurden Zeugen beeinflusst?

Zu Zeiten der Patientenmorde durch Högel war Tenzer zwar noch nicht am Klinikum. Aus der Sicht von Richter Bührmann soll Tenzer aber eine Strichliste mit Sterbefällen sowie weitere wichtige Protokolle jahrelang unter Verschluss gehalten haben. Außerdem soll es den Versuch gegeben haben, Mitarbeiter in ihren Aussagen zu beeinflussen. Bührmann machte dies an einer merkwürdigen Uniformität im Aussageverhalten der Oldenburger Zeugen fest. Tenzer teilte daraufhin in einer Stellungnahme mit, dass die Bereitstellung von Zeugenbeiständen für die Mitarbeiter des Klinikums ein selbstverständlicher Teil der Fürsorge gewesen sei. "Für uns ist es daher unverständlich, was der Vorsitzende Richter konkret an dem Vorgehen des Klinikums Oldenburg verwerflich findet." Die Klinik habe der Staatsanwaltschaft maßgebliche Unterlagen aus der fraglichen Zeit zur Verfügung gestellt, um die Ermittlungen tatkräftig zu unterstützen.

Schon vor dem Prozess Kritik an Tenzer

Tenzer stand allerdings schon vor dem Högel-Prozess in der Kritik. Seit vergangenem Jahr musste die Stadt Oldenburg mit insgesamt gut 30 Millionen Euro Verluste der Klinik auffangen. Vor einigen Monaten ist deshalb ein zweiter Geschäftsführer eingestellt worden, der das Krankenhaus sanieren soll. Außerdem gab es immer wieder Streit zwischen Chefärzten und Klinikvorstand wegen Tenzers Führungsstil.

Höhe der Abfindung unklar

Dass Tenzer erst jetzt geht, liegt nach NDR Informationen daran, dass man sich bisher nicht auf eine Abfindungssumme einigen konnte. Die übliche Summe - das Gehalt für die drei Jahre bis Vertragsende - läge bei rund einer Million Euro.

Der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel war am 6. Juni wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt worden. In den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst hatte er zwischen 2000 und 2005 mit Medikamenten Patienten zu Tode gespritzt.

 

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 20.06.2019 | 18:30 Uhr

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