Stand: 13.03.2018 16:09 Uhr

Moorleiche "Bernie" bekommt ein Gesicht

Möglicherweise war "Bernie", der im 8. Jahrhundert gelebt hat, ein schlanker Mann zwischen 30 und 40 Jahren mit mittellangen hellen Haaren, einem markanten Gesicht und blauen Augen. So in etwa sieht jedenfalls ein Modell des Kopfes der Moorleiche aus. Es wurde mithilfe von wissenschaftlichen Untersuchungen entwickelt und am Freitag in Emden präsentiert.

"Bernie" hatte etliche Erkrankungen

Die Forscher wissen inzwischen, dass der "Mann von Bernuthsfeld", kurz "Bernie", eines natürlichen Todes starb. Er sei nicht hingerichtet, ermordet oder im Moor geopfert worden, erklärt Gerichtsmediziner Klaus Püschel vom Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (UKE). "Wir wissen, dass 'Bernie' eine Reihe von Erkrankungen hatte", so Püschel, "im Bereich des Knochensystems, der Wirbelsäule, im Bereich der Nasennebenhöhlen, alte Rippenbrüche." Der Mann habe in seinem Leben viel gearbeitet, sei in den letzten Monaten seines Lebens aber offensichtlich krank und kaum noch aktiv gewesen.

Teure Kleider, gute Zähne

Ein armer Mann war "Bernie" offenbar nicht. Dafür spreche der gute Zustand seiner Zähne, sagt Henning Hassmann vom Niedersächsischen Amt für Denkmalpflege. Vor allem aber habe die Moorleiche "sehr, sehr wertvolle Kleidung" getragen, so Hassmann. "So schätzen wir es jedenfalls ein - wir haben ja nicht viele Textilien aus dem Mittelalter. Aber die Kleidung ist aufwendig gewebt worden."

"Ein echter Zeitreisender"

Rund 50 Wissenschaftler in Hamburg und Göttingen haben die Moorleiche in den vergangenen Jahren untersucht. Sie wollten sich ein Bild von dem Mann machen, dessen Leiche 1907 bei Aurich im Moor gefunden wurde. "Bernie" könne einiges über die Lebensbedingungen im 8. Jahrhundert, also zur Karolingerzeit, verraten, meint der Denkmalpfleger. "Ganz selten gelingt es uns, dass wir einen echten Zeitreisenden finden", so Hassmann. 

Zwischenstation in Hildesheim

An den jüngsten Forschungsarbeiten waren neben Wissenschaftlern des UKE und des Landesamts für Denkmalpflege auch die Paläontologie an der Uni Göttingen und Experten aus Liverpool beteiligt. Als nächstes wollen sich die Forscher noch einmal den Fundort der Moorleiche näher ansehen, um einen Eindruck von der ostfriesischen Landschaft zu "Bernies" Lebzeiten zu erhalten. "Bernie" soll jetzt in Hildesheim restauriert werden. Ab April wird er dann voraussichtlich wieder im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden gezeigt.

Weitere Informationen

Wie sah die Moorleiche "Bernie" einmal aus?

Vier Jahre lang haben Forscherteams die 1907 gefundene Moorleiche "Bernie" - den "Mann von Bernuthsfeld" - untersucht. Am Freitag präsentieren sie ihre Ergebnisse. (26.11.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder | 27.11.2015 | 18:00 Uhr

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