Stand: 05.10.2018 18:19 Uhr

Messstelle soll Abgassünder in Nordsee entlarven

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Vom Hafen aus wird gemessen, was die Schiffe auf See herauspusten.

Eine neue Fernmessstation im Hafen von Bremerhaven soll künftig Abgassünder in der Nordsee entlarven. Die Anlage des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) misst die Abgasfahnen vorbeifahrender Schiffe in bis zu einem Kilometer Entfernung - vom Ufer aus. Experten können nach Angaben der Bremer Hafengesellschaft errechnen, woraus der jeweils verbrannte Kraftstoff zusammengesetzt ist. Wird der Grenzwert für Schwefel überschritten, deute das auf Schweröl im Tank. Dann soll die Wasserschutzpolizei die Verfolgung aufnehmen. Den Reedern droht bei Verstoß eine Geldbuße. Doch Umweltschützern geht das nicht weit genug.

13 Prozent der Schiffe fahren trotz Verbots mit Schweröl

Nach Schätzungen des NABU fahren 13 Prozent der Schiffe in Nord- und Ostsee trotzdem mit Schweröl. Der Naturschutzbund kritisiert deshalb, dass das Verbot von Schweröl nur an den Häfen kontrolliert werde. "Die große Unbekannte bleibt: Was passiert auf See?", sagt Daniel Rieger vom NABU. "Das erfassen die stationären Anlagen nicht." Auf offener See werde allerdings gar nicht geprüft, welchen Treibstoff die Schiffe verfeuern, so Rieger weiter.

Reeder sparen viel Geld durch Schweröl

Das Problem: Schweröl sei wirtschaftlich verlockend, so der NABU. Es koste viel weniger als der umweltfreundlichere Marinediesel. Reedereien, die ihre Schiffe mit Schweröl fahren lassen statt mit Diesel, sparen laut Rieger oft mehrere Hunderttausend Euro pro Fahrt.

Besser: Von See aus messen

Seit 2015 ist ungereinigtes, schwefelhaltiges Schweröl in Nord- und Ostsee verboten. Auch an den Küsten Dänemarks und der Niederlande messen weitere Stationen die Einhaltung des Verbots. Neben Bremerhaven gibt es die Fernmessstationen in Deutschland auch im Kieler und im Hamburger Hafen. Ab 2020 sollen die Grenzwerte weltweit verschärft werden. Um die auch auf See kontrollieren zu können, plant das BSH nach eigenen Angaben eine mobile Abgasmessung in Nord- und Ostsee: Ein Forschungsschiff soll während der Fahrt die Rauchfahnen von Schiffen messen.

On-Board-Control statt Steuergelder

Dem Nabu geht auch das nicht weit genug, er setzt vielmehr auf On-Board-Control: Jedes Schiff sollte ein Messgerät an Deck haben, so der Vorschlag. Damit hätten alle Reeder die gleichen Wettbewerbschancen - und der Steuerzahler müsste nicht zahlen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 05.10.2018 | 07:30 Uhr

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