Stand: 04.05.2020 19:48 Uhr

"Mein Schiff 3": Sieben weitere Corona-Fälle

Das Kreuzfahrtschiff «Mein Schiff 3» der Reederei TUI Cruises liegt an einem Kai im Hafen. © dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich
An Bord der "Mein Schiff 3" wurden alle Besatzungsmitglieder auf das Coronavirus getestet. Bisher sind insgesamt acht Tests positiv ausgefallen.

Nach dem Corona-Fall an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Mein Schiff 3" in Cuxhaven liegen mittlerweile zwei Drittel der Testergebnisse der rund 2.900 Crewmitglieder vor. Demnach sind sieben weitere Besatzungsmitglieder positiv auf das Coronavirus getestet worden, wie die Reederei TUI Cruises am Montagabend mitteilte. Die zuletzt positiv getesteten Mitglieder hätten leichte beziehungsweise keine Symptome und seien in ihrer Kabine isoliert worden, heißt es. Die übrigen Testergebnisse werden am Dienstag erwartet.

Gesunde sollen auf Schwesterschiff umsteigen

Die "Mein Schiff 3" wird den Angaben zufolge bis auf Weiteres in Cuxhaven bleiben. Um die Situation an Bord zu entlasten will TUI Cruises das Schwesterschiff "Mein Schiff 6" mit derzeit rund 250 Crewmitgliedern ebenfalls nach Cuxhaven holen, um dort die bisher negativ getesteten Crewmitglieder der "Mein Schiff 3" unterzubringen. Das Schiff soll am Dienstagmorgen eintreffen. Aus dem Kreis der gesunden Besatzungsmitglieder will TUI Cruises ab Freitag 900 Menschen in ihre Heimatländer ausfliegen. Dafür seien eigens Flugzeuge gechartert worden, heißt es.

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Drei Radfahrer schauen auf das Schiff "Mein Schiff 3".
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Zustimmung von Cuxhavens Oberbürgermeister

Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer (SPD) hält die Entzerrung der Lage für eine gute Idee. Für ihn bleibt aber oberstes Gebot, dass es keinen Kontakt der Crewmitglieder mit der Bevölkerung geben dürfe.

Mobiliar auf Schiff zerschlagen

In den vergangenen Tagen lagen an Bord offenbar mehr und mehr die Nerven blank. Am Sonnabend mussten nach NDR Informationen Polizeibeamte aus Cuxhaven auf das Schiff, weil Mobiliar zerschlagen wurde. Crewmitglieder beklagten dazu gegenüber dem NDR "knastähnliche Zustände" in den teils fensterlosen Kabinen, andere berichteten von psychischen Problemen, weil sie seit mehr als 50 Tagen nicht mehr an Land waren. Viele Crewmitglieder haben zudem keine gültigen Arbeitsverträge mehr. Die Kellner beispielsweise bekommen seit Wochen keinen Cent Lohn mehr, sondern nur noch zu essen. Viele der Beschäftigten wollen ihren Lohn jetzt per Sammelklage einfordern. "Wir wissen, dass die Stimmung an Bord durchaus angespannt ist", sagte eine Sprecherin der Reederei TUI Cruises.

Milde Symptome bei infizierter Person

An Bord des Schiffes war bei einem Crew-Mitglied das Coronavirus nachgewiesen worden. Das infizierte Besatzungsmitglied liegt nach Angaben der Reederei TUI Cruises inzwischen auf der Isolierstation des Klinikums in Cuxhaven. Es habe nur milde Symptome und sei wohlauf. Zunächst waren 229 der Besatzungsmitglieder, die engeren Kontakt zu der infizierten Person hatten, getestet worden. Bei allen sei das Ergebnis negativ ausgefallen, so TUI Cruises. Nach Angaben des Landkreises Cuxhaven haben etwa 110 Crewmitglieder das Schiff bereits am Donnerstag verlassen, um in ihre Heimatländer zu reisen. Sie seien kontaktiert und angewiesen worden, sich gemäß den gesetzlichen Vorschriften in eine zweiwöchige Quarantäne zu begeben.

"Keine Gefahr für Bevölkerung in Cuxhaven"

Aufgrund der strikten Quarantäne, unter der die Besetzung steht, sehen Cuxhavens Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos) und Oberbürgermeister Santjer keine Gefahr, dass sich das Virus in Cuxhaven ausbreiten könnte. Der Liegeplatz sei seit der Ankunft des Schiffes ohnehin weiträumig abgesperrt. Die Cuxhavener Behörden hatten TUI Cruises ein Anlaufen unter anderem deshalb erlaubt, weil die Reederei versichert hatte, dass alle Crew-Mitglieder symptomfrei seien und bereits seit mehr als vier Wochen keinen Kontakt zur Außenwelt hatten.

"Mein Schiff 3" als Sammeltaxi für Crewmitglieder

TUI Cruises hat "Mein Schiff 3" als eine Art "Sammeltaxi" für die Besatzungsmitglieder der TUI-Flotte im Mittelmeer und auf den Kanarischen Inseln eingesetzt. Am 23. März seien die letzten Passagiere von Bord gegangen - das sei der letzte Kontakt zur Außenwelt gewesen, hatte die Reederei erklärt.

Doch noch Kontakt zur Außenwelt?

Die Darstellung von TUI Cruises ist möglicherweise aber nicht ganz korrekt. Auf der offiziellen Internetseite der Hafenbehörde von Santa Cruz auf Teneriffa gibt es nämlich einen Eintrag zu "Mein Schiff 3": Demnach hat das Kreuzfahrtschiff den Hafen am 17. April angelaufen, lag dort über Nacht und verließ ihn erst am Abend des 18. April wieder. Während des Aufenthalts sollen nach NDR Informationen Crewmitglieder von anderen TUI-Schiffen auf die "Mein Schiff 3" umgestiegen sein. Außerdem wurde offenbar Treibstoff und Proviant aufgenommen. Somit kann nicht ausgeschlossen werden, dass der positive Corona-Fall an Bord auf diesen Zwischenstopp zurückzuführen ist. Diese Informationen waren auch dem Corona-Krisenstab im Cuxhavener Kreishaus neu.

Weitere Informationen
Das Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3" kurz vor dem Anlegen in Cuxhaven.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.05.2020 | 08:00 Uhr

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