Stand: 24.08.2018 11:57 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Meeresbiologin Antje Boetius bekommt Umweltpreis

Der Deutsche Umweltpreis geht in diesem Jahr an die Leiterin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, Antje Boetius. Das hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit Sitz in Osnabrück am Donnerstag bekannt gegeben. Die Meeresbiologin werde für ihre wissenschaftlichen Leistungen in der Tiefsee- und Polarforschung geehrt, hieß es. Den mit 500.000 Euro dotierten Preis teilt sie sich mit einem Team von vier Abwasserexperten aus Leipzig.

 

Boetius leitet immer wieder Expeditionen

Die Arbeit von Boetius sei ganz entscheidend für das Verständnis des weltweiten Klimageschehens und der Lebensvielfalt, so der Generalsekretär der Stiftung, Alexander Bonde. Die Direktorin des AWI in Bremerhaven leitet immer wieder Expeditionen, unter anderem im Südpazifik und in der Arktis. Zurzeit erforscht sie, wie sich der Rückgang des Meereises auf die Umwelt auswirkt. Die 51-Jährige gilt als starke Fürsprecherin für den Schutz der Weltmeere.

 

 

Die Tiefsee: "Ein Feld für Entdecker"

Bei ihren Expeditionen stößt die Forscherin in einem U-Boot in die ewige Dunkelheit, die bei einer Meerestiefe von 200 Metern beginnt, vor. "Das ist wirklich ein Feld für Entdecker. Jeder Tauchgang, jede Expedition zeigt einem völlig neue Wesen, völlig neue Landschaften, neue Erkenntnisse", sagt sie. Auch wenn erst 0,01 Prozent der Tiefsee überhaupt erforscht seien, stoße sie bei ihren Tauchfahrten immer auf Spuren der Menschheit. Zivilisationsmüll, Plastik, überschüssige CO2-Emissionen verteilten sich im Meer. "Alles, was wir tun, wird am Ende irgendwie im Meer landen", so Boetius.

Von der Politik enttäuscht

Neben dieser Arbeit ist die Wissenschaftlerin auch in zahlreichen wissenschaftlichen und politischen Gremien aktiv. In letzteren warnt sie immer wieder vor dem Klimawandel. Von der Politik ist die Forscherin stark enttäuscht. "Trotz all der Forschung, die wir bereitstellen, trotz unserer Erkenntnisse, hat man das Gefühl, da sitzen Leute auf ihren Ohren."

"Neutrale Anwälte für Wasserressourcenschutz"

Die Forschergruppe aus Leipzig, mit der sich die Bremerhavenerin den Preis teilt, ist dagegen auf einem anderen Gebiet aktiv. Stiftungssekretär Bonde nennt sie einen "neutralen Anwalt für den Wasserressourcenschutz". In Jordanien - einem an starker Wasserknappheit leidenden Land - werde das Abwasser dank ihrer Arbeit direkt behandelt. Daher könne es beispielsweise zum Bewässern landwirtschaftlicher Flächen genutzt werden. Gleichzeitig werde das Grundwasser vor Verunreinigungen geschützt. Den Preis bekommen Boetius und das Leipziger Team am 28. Oktober von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.09.2019 | 11:00 Uhr

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