Stand: 29.01.2019 20:30 Uhr

Lebend-Organspende: BGH gibt krankem Spender recht

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Der Bundesgerichtshof hat mit seinem Urteil die Ansprüche an Kliniken erhöht, die mögliche Lebend-Organspender aufklären. (Archivbild)

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat in einem Grundsatzurteil einem Kläger aus Niedersachsen recht gegeben, der sich über die Risiken einer Lebend-Organspende schlecht informiert fühlte. Der Unternehmer Rainer Zietz aus Thedinghausen (Landkreis Verden) hatte seiner Frau im Jahr 2010 eine Niere gespendet. Der heute 54-Jährige hat sich nach eigenen Angaben von der Operation nie vollständig erholt. Er sei chronisch erschöpft und leide an einer eingeschränkten Nierenfunktion. Zietz war nach dem Urteil erleichtert: "Ich bin überwältigt, weil hier Rechtsgeschichte geschrieben wurde." Es sei wichtig, dass die Öffentlichkeit die Risiken der Lebend-Organspende wahrnehme. Ärzte müssten ihre Aufklärung jetzt anpassen.

Oberlandesgericht: Spender hätten OP ohnehin zugestimmt

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hatte zuvor die Klage des Mannes sowie die eines weiteren Spenders aus Nordrhein-Westfalen abgewiesen. Das OLG hatte Fehler bei der Aufklärung beider Spender festgestellt, etwa das Fehlen des vorgeschriebenen neutralen Arztes. Letztlich hatte es die Klagen jedoch abgewiesen. Es war davon ausgegangen, dass beide Spender sich auch dann zu der Operation entschlossen hätten, wenn sie die Risiken vollständig gekannt hätten. Diese hypothetische Einwilligung ist nach BGH-Angaben im Transplantationsgesetz aber nicht vorgesehen. Nun müssen die Fälle neu verhandelt werden, um die Höhe von Schmerzensgeldern und Schadenersatz zu bemessen.

Bundesrichter: Umfassende Aufklärung "unabdingbar"

Der BGH hält es für entscheidend, dass potenzielle Organspender über sämtliche Risiken umfassend aufgeklärt werden müssten. Bei der Spende eines nicht regenerierungsfähigen Organs wie der Niere, die nur bei besonders nahestehenden Personen erlaubt ist, sei der Spender in einer besonderen Konfliktsituation. In dieser könne jede Risiko-Information relevant sein, argumentieren die BGH-Richter. "Die Einhaltung der Vorgaben des Transplantationsgesetzes ist unabdingbare Voraussetzung, wenn die Bereitschaft der Menschen zur Organspende langfristig gefördert werden soll", sagte die Vorsitzende Richterin am Dienstag. (Az. VI ZR 318/17 und VI ZR 495/16)

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 29.01.2019 | 18:00 Uhr

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