Stand: 22.01.2019 07:42 Uhr

Krankenpfleger-Prozess: Frühere Kollegen sagen aus

Vor dem Oldenburger Landgericht wird heute der Mordprozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel fortgesetzt. Am achten Verhandlungstag sollen erstmals vier ehemalige Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg und ein Mitarbeiter des Klinikums Delmenhorst als Zeugen vernommen werden. Högel wird vorgeworfen, an den beiden Kliniken zwischen 2000 und 2005 mindestens 100 Menschen mit überdosierten Medikamenten getötet zu haben. Im Laufe des Prozesses hat er bereits 43 Taten gestanden.

Ermittler kritisieren Klinik-Mitarbeiter

Die Aussagen der früheren Kollegen von Högel werden mit Spannung erwartet. Am letzten Verhandlungstag Anfang Januar hatten Ermittler das Aussageverhalten von Zeugen aus dem Klinikum Oldenburg mit deutlichen Worten kritisiert. Es sei auffällig gewesen, dass sie stets mit einem vom Klinikum bezahlten Rechtsanwalt zu den Vernehmungen erschienen seien, hieß es. Oft sei zudem der Eindruck entstanden, dass sie aus welchen Gründen auch immer unkooperativ gewesen seien und nicht die Wahrheit gesagt hätten, so ein Polizeibeamter. Um eine mögliche Mitschuld der Kollegen - weil sie die Taten nicht bemerkten oder einen Verdacht nicht äußerten - wird es aber nicht gehen. Das hat der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann bereits im Vorfeld mehrfach deutlich gemacht.

Gutachter wechselt wegen Krankheit

Ob Högel letztlich schuldfähig ist, wird unterdessen nicht wie geplant der Psychiater Konstantin Karyofilis beurteilen. Der Gutachter, der bereits im ersten Mordprozess gegen den Ex-Krankenpfleger dabei war, kann seine Tätigkeit nach Angaben des Landgerichts wegen einer schweren Erkrankung nicht fortsetzen. Als Ersatz wird der emeritierte Psychiatrie-Professor Henning Saß einspringen. Er ist bekannt geworden durch seine Tätigkeit als Gutachter im NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe.

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NSU-Gutachter Saß übernimmt spontan

"Wir sind sehr froh, dass Professor Saß so kurzfristig verpflichtet werden konnte", sagte Gerichtssprecherin Melanie Bitter gegenüber NDR.de. "Dank der schnellen Zusage gehen wir davon aus, dass sich der Prozess durch den Gutachterwechsel nicht verzögern wird." Saß hat die Aufgabe, die Schuldfähigkeit von Högel einzuschätzen. Außerdem muss er prognostizieren, ob eine an die Haft anschließende Sicherheitsverwahrung notwendig ist.

Gespräche mit Högel geplant

Auf den Gutachter kommt viel Arbeit zu, denn laut Bitter haben die Akten zu dem Fall schon zu Prozessbeginn rund 13 Umzugskartons gefüllt. "Er muss aber natürlich nicht alles lesen", so die Gerichtssprecherin. Sie gehe davon aus, dass Saß in Kürze ein oder zwei Gespräche mit Högel führen werde, um sich ein persönliches Bild vom Angeklagten zu machen. Daher sollte es eigentlich keine Reibungsverluste geben, so Bitter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.01.2019 | 07:00 Uhr

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