Stand: 24.04.2020 14:13 Uhr

Klinikum Emden muss Jungen 800.000 Euro zahlen

Das Klinikum in Emden. © k+ medienbüro, Aurich
Das Klinikum Emden muss dem Jungen 800.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. (Themenbild)

Ein medizinischer Behandlungsfehler hat das Leben eines fünfjährigen Jungen brutal verändert. Weil ein Pfleger am Klinikum Emden eine Blutvergiftung nicht erkannte, verlor er beide Unterschenkel. Das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg hat dem Jungen Mitte März ein Schmerzensgeld in Höhe von 800.000 Euro zugesprochen - und damit eine Entscheidung des Landgerichts Aurich bestätigt, gegen die die Klinik Rechtsmittel eingelegt hatte. Nach dem OLG-Urteil ist die Klinik nicht weiter juristisch gegen die Entscheidung vorgegangen. Darüber hatte zuerst die "Ostfriesen Zeitung" berichtet. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Eines der höchsten Schmerzensgelder in der Geschichte

Nach Angaben einer Sprecherin des OLG handelt es sich bei dem Schmerzensgeld um eines der höchsten in der deutschen Rechtsgeschichte. Es sei deshalb so hoch, weil der 14-Jährige noch so jung und für sein gesamtes Leben gezeichnet sei, sagte sie NDR 1 Niedersachsen. Weil der Junge sich noch im Wachstum befinde, müsse er voraussichtlich noch mehr als 20-mal operiert werden, so die Sprecherin.

Pfleger ruft keinen Arzt

Im Mai 2011 brachte die Mutter den damals fünfjährigen Jungen mit Schüttelfrost und hohem Fieber ins Emder Krankenhaus, wie es die OLG-Sprecherin berichtet. In der Nacht verschlechterte sich der Zustand des Kindes und an seinem Körper bildeten sich Flecken. Trotz Bitten der Mutter rief der zuständige Pfleger keinen Arzt. Erst bei der morgendlichen Visite stellte ein Arzt fest, dass der Körper des Jungen voller Nekrosen war - das ist abgestorbenes Gewebe. Auslöser war eine Blutvergiftung durch Meningokokken.

Bisher fast 20 Operationen

Der Junge überlebte. Er verlor aber beide Unterschenkel und eine Kniescheibe. Nach Angaben des Anwalts der Familie, Burkhard Remmers, wurde er bereits fast 20-mal operiert. Sein ganzes Leben lang werde er auf den Rollstuhl angewiesen sein. Durch die Nekrosen seien zudem große Teile der Körperoberfläche des Jungen dauerhaft entstellt. "Niemand kann dem Kläger und seiner Familie das Leid abnehmen", so Remmers. Er erhalte aber jetzt eine "wirklich angemessene Entschädigung".

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.04.2020 | 12:00 Uhr

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