Klinik-Chef entschuldigt sich für schnelle eigene Impfung

Stand: 04.02.2021 08:45 Uhr

Im Klinikverbund Aurich-Emden-Norden sind Teile der Geschäftsleitung schon gegen Corona geimpft - während viele Ärzte und Pfleger noch auf ihre Immunisierung warten. Der Klinik-Chef entschuldigt sich.

"Zu keinem Zeitpunkt habe ich beabsichtigt, mir aufgrund meiner Funktion oder Position im Unternehmen einen persönlichen Vorteil zu verschaffen, auch wollte ich keiner Mitarbeiterin und keinem Mitarbeiter etwas wegnehmen oder vorenthalten", schrieb Claus Eppmann am Mittwoch. "Dass dieser Eindruck jetzt entstanden ist, bedauere ich zutiefst."

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Offener Brief des Klinik-Chefs Claus Eppmann

Er entschuldigt sich dafür, die Impf-Einladung angenommen zu haben. Er habe keinem Mitarbeiter etwas wegnehmen wollen. Download (1 MB)

Klinik-Leiter: Keinen Einfluss genommen

Eppmann erklärte in seinem Brief, er habe keinerlei Einfluss auf die Mitarbeitenden des krankenhauseigenen Impfteams genommen. Gleichzeitig nahm er das Impfteam in Schutz, keine falsche Entscheidung getroffen zu haben, ihn zum Termin einzuladen. Es sei allein seine Entscheidung gewesen, die Einladung anzunehmen. "Dieser Entschluss war falsch", schrieb Eppmann.

Erst wenige Ärzte und Pflegekräfte geimpft

Von den 2.500 Mitarbeitenden der Kliniken Aurich, Emden und Norden sind noch nicht einmal 400 geimpft, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Auch die Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte auf den Corona- und Intensivstationen hätten noch nicht alle eine Immunisierung gegen das Virus bekommen. Ein Sprecher des Klinikverbundes hatte am Mittwoch erklärt, dass noch Impfstoff übrig gewesen sei und man schnell habe handeln müssen.

Haussegen hängt schief

Es sei ein schlechtes Zeichen, dass die Geschäftsführer bei den angeblichen Resten des Impfstoffes zuschlugen und dieser nicht an das medizinische Personal ging, sagten Beschäftigte. Offiziell äußern möchte sich aber niemand, auch nicht der Betriebsrat. Die Geschäftsführer haben einen Brief an die Beschäftigten geschickt. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, warnen sie darin davor, Namen, die auf den Impflisten stehen, an die Medien weiterzuleiten.

Konsequenzen für unrechtmäßige Impfung gefordert

Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft erklärte, keine Einzelfälle beurteilen zu können. Aber die Krankenhäuser in Niedersachsen seien bemüht, das Klinikpersonal, das einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt ist, vorrangig und schnellstmöglich zu impfen. Die Gewerkschaft ver.di erklärte, man erwarte, dass der Impfstoff nur an Pfleger und Ärzte ausgegeben wird. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat unterdessen strafrechtliche Konsequenzen für Menschen gefordert, die sich unrechtmäßig Zugang zur Corona-Impfung verschaffen. Die neue Impfverordnung sollte dies regeln.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.02.2021 | 08:00 Uhr

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