Stand: 12.02.2019 16:52 Uhr

Kameras in Schlachthöfen sind der richtige Weg

Die Tierschutzverstöße auf Schlachthöfen haben Konsequenzen: In Niedersachsen gibt es nun eine Vereinbarung über die freiwillige Videoüberwachung in Schlachthöfen. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) unterzeichnete das Abkommen mit Vertretern der Fleischwirtschaft, der Handelsverbände und der kommunalen Veterinärbehörden.

Ein Kommentar von Thomas Schwierzi, NDR Niedersachsen

Bereits halbtote Kühe, die noch zum Schlachthof gebracht und dort verwurstet werden; Tiere, die mit Elektroschockern getrieben, die nicht ausreichend betäubt getötet werden - solche Bilder möchte niemand gerne sehen. Und doch ist es wichtig, dass sie gesehen werden. Denn nur, weil solche Missstände immer wieder ans Tageslicht kommen, passiert überhaupt etwas - wie vor Kurzem im Fall des Bad Iburger Schlachthofes, der nach solchen Vorfällen geschlossen wurde. Und wie in Oldenburg, wo ebenfalls Quälereien bekannt wurden und wo zumindest die Organisation geändert wurde.

Gewerkschaft argumentiert am Thema vorbei

Die Bilder, die das ausgelöst haben, kamen bislang von außen, etwa von Tierschützern, die am Rande - oder gar jenseits der Legalität - Aufnahmen gemacht haben, die das Publikum schockten. Auch wir von den Medien haben das Thema immer wieder aufgegriffen. Auf Dauer aber kann das nicht Sinn der Sache sein. Denn dauerhaft muss das System von innen reformiert und überwacht werden. Und wenn Betriebsinhaber und amtliche Tierärzte da bislang versagt haben, dann eben mit zusätzlichen Kontrollen.

Kameras in für den Tierschutz besonders sensiblen Bereichen sind eine Lösung. Dass die Gewerkschaft NGG sich gegen die Kameras ausgesprochen hat, geht am Thema vorbei. Zwar mahnt die Gewerkschaft zu Recht, dass die Arbeiter in der Fleischindustrie besser bezahlt und ihre Arbeitsbedingungen verbessert werden müssten, aber dass allein verhindert noch keine Tierquälerei. Die Kameras vielleicht auch nicht, aber sie einzuführen ist ein richtiger Schritt.

Bald bundesweit und per Gesetz?

Fraglich nur, wer sich nun an diesem freiwilligen Projekt beteiligt - das ist den Betrieben bislang noch selbst überlassen. Aber schon am kommenden Freitag will Niedersachsen zusammen mit Nordrhein-Westfalen im Bundesrat die Weichen dafür stellen, dass Betriebe deutschlandweit videoüberwacht werden. Alle Schlachthöfe sollen dafür die Kameras installieren, die Behörden jederzeit darauf zugreifen können. Der Datenschutz soll gewährleistet bleiben.

Selbst, wenn der Bundesrat dem zustimmt und die Bundesregierung das in Gesetze gießt: Das alles wird dauern, und ob uns dadurch in Zukunft die verstörenden Bilder aus der Branche erspart bleiben, bleibt vorerst offen. Wie gesagt: Sehen möchte diese Bilder ja keiner, aber wegschauen und nichts tun hilft eben auch nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 12.02.2019 | 17:08 Uhr

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