Stand: 23.01.2019 16:40 Uhr

Högel-Prozess: Zeugen können sich kaum erinnern

Im Mordprozess gegen den früheren Krankenpfleger Niels Högel haben sich am Mittwoch vor dem Oldenburger Landgericht drei weitere ehemalige Kollegen auf erhebliche Erinnerungslücken berufen. Die Zeugen - darunter ein stellvertretender Stationsleiter und zwei Pfleger - wollten viele Details weder bestätigen noch abstreiten. Bei den Anwälten der Nebenkläger sorgte das für großen Unmut. Ein Verteidiger sagte wörtlich: "Mir platzt gleich der Kragen." Die Befragungen von zwei ehemaligen Freudinnen von Högel, die ebenfalls auf der Station arbeiteten, fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Der Angeklagte Nils Högel.

Högel-Prozess: Kollege erhebt schwere Vorwürfe

Hallo Niedersachsen -

Im Mordprozess gegen Niels Högel hat ein ehemaliger Kollege schwere Vorwürfe erhoben. Demnach gab es früh einen Verdacht gegen den Ex-Pfleger, dem das Klinikum Oldenburg nicht nachging.

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Oberarzt kann sich kaum erinnern

Laut Anklage soll Högel zwischen 2000 und 2005 an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst mindestens 100 Patienten mit überdosierten Medikamenten getötet haben. 43 Taten hat er im Laufe des Prozesses bereits eingeräumt. Der stellvertretende Stationsleiter sagte aus, er habe von dem Verdacht gegen Högel nichts mitbekommen - obwohl sein Chef auf einer Strichliste festgehalten hatte, wie viele Patienten während dessen Schichten gestorben waren. Auch an eine Konferenz zu auffällig erhöhten Kaliumwerten könne er sich nicht erinnern. Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann schien Zweifel an den Aussagen zu haben. Er belehrte den Zeugen immer wieder, die Wahrheit zu sagen und vereidigte ihn schließlich. Högel selbst bekräftigte auf Nachfrage, dass der stellvertretende Stationsleiter an der sogenannten Kalium-Konferenz sicher teilgenommen habe.

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Keine Öffentlichkeit bei Vernehmung von Ex-Freundinnen

Am Vormittag hatte Richter Bührmann verkündet, dass die beiden Ex-Freundinnen von Högel ohne Publikum und Presse vernommen werden. Die beiden Zeuginnen hatten beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen. Zum Schutz ihrer Privatsphäre würde dies auch geschehen, sagte Bührmann. Er begründete den Beschluss der Kammer damit, dass Umstände aus dem persönlichen und intimen Bereich der Frauen angesprochen würden.

Auch Oberarzt mit vielen Erinnerungslücken

Schon am Dienstag hatten zwei völlig gegensätzliche Zeugenaussagen für Erstaunen gesorgt. Während ein ehemaliger Pfleger schwere Vorwürfe gegen die Klinik erhob, bestritt ein ebenfalls befragter Oberarzt, dass er von einem Verdacht gegen Högel gewusst habe. Der Mediziner, der einen Großteil der Fragen angeblich mangels Erinnerung nicht beantworten konnte, wurde von Richter Bührmann ebenfalls vereidigt. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Dann soll unter anderen der heutige Klinikchef Dirk Tenzer aussagen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.01.2019 | 16:00 Uhr

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