Stand: 21.02.2019 06:01 Uhr

Högel-Prozess: Spannung vor weiteren Vernehmungen

Vor dem Oldenburger Landgericht wird heute der Mordprozess gegen den Ex-Krankenpfleger Niels Högel fortgesetzt. Am zwölften Verhandlungstag in der Weser-Ems-Halle sollen zwei ehemalige Kollegen und ein früherer Betriebsrat vom Klinikum Oldenburg als Zeugen vernommen werden. Högel wird vorgeworfen, zwischen 2000 und 2005 mindestens 100 Patienten an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst mit überdosierten Medikamenten getötet zu haben.

Videos
02:48
Hallo Niedersachsen

Högel-Prozess: Zeugen droht Meineid-Verfahren

Hallo Niedersachsen

Weil sich vier Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg im Högel-Prozess ahnungslos gaben, zweifelt die Staatsanwaltschaft an ihren Aussagen und hat ein Verfahren wegen Meineids eingeleitet. Video (02:48 min)

Staatsanwaltschaft bezweifelt Erinnerungslücken

Bei den Befragungen wird es dem Vorsitzenden Richter Sebastian Bührmann erneut darum gehen, möglichst viele Informationen über Högel und seine Taten zu bekommen. Von dem ehemaligen Betriebsrat des Oldenburger Klinikums dürfte das Gericht zudem wissen wollen, ob schon in Oldenburg bei Vorgesetzten ein Verdacht gegen Högel bestand. Mit Spannung wird dabei das Aussageverhalten erwartet, nachdem die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen vier vorherige Zeugen Verfahren wegen Meineids eingeleitet hat. Die Betroffenen hatten sich wiederholt auf massive Erinnerungslücken berufen, was vom Gericht und der Staatsanwaltschaft offen angezweifelt wurde. Ihnen droht bei Verurteilung sogar eine Haftstrafe.

Experte: Kliniken vertuschen und verschleiern

Auch der Experte für Krankenhausmorde, Karl H. Beine, hält viele der bisherigen Aussagen im Prozess gegen Högel für unglaubwürdig. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein leitender Oberarzt und ein stellvertretender Stationsleiter nichts von den Diskussionen um erhöhte Kaliumwerte und vermehrte Reanimationsfälle mitbekommen hätten, sagte der Professor für Psychiatrie und Psychotherapie der "Nordwest-Zeitung". Beine, der seit 25 Jahren zu Mordserien in Krankenhäusern forscht, wundert das Verhalten der Führungskräfte allerdings wenig. "Diese Vertuschungs-Mechanismen, dieses Verschleiern, dieses Nichtwahrhabenwollen, das finden sie fast überall", sagte er. Es sei systemimmanent, dass die Kliniken in solchen Situation mit allen Mitteln ihre Reputation schützen wollen.

Weitere Informationen
Multimedia-Doku

Niels Högel: Die Morde eines Krankenpflegers

Niels Högel soll mehr als 100 Patienten getötet haben. Die wohl größte Mordserie der Nachkriegszeit, begünstigt von beispiellosem Versagen. Eine Multimedia-Doku, optimiert für Desktop-Nutzung. mehr

Mehrere Zeugen verweigern Aussage

Die Zeugenliste wird unterdessen immer kürzer: Allein für den aktuellen Prozesstag wurden vier Zeugen, gegen die selbst ermittelt wird, kurzfristig abgeladen. Zwei leitende Ärzte aus Delmenhorst, der damalige Stationsleiter und die ehemalige Oldenburger Pflegedirektorin hatten zuvor durch ihre Anwälte erklären lassen, von ihrem umfassenden Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen zu wollen. Dieses Recht stehe den betreffenden Zeugen zu, um sich nicht selbst zu belasten, sagte Gerichtssprecherin Melanie Bitter gegenüber dem NDR. Da in den letzten Verhandlungsterminen deutlich geworden sei, dass seitens der Nebenklagevertreter keine nicht davon erfassten Fragen gestellt würden, habe sich die Kammer entscheiden, verstärkt die Möglichkeit der Abladung zu nutzen.

Weitere Informationen

Högel-Prozess: Klinikum stellt Mitarbeiter frei

Wegen mutmaßlicher Falschaussagen im Mordprozess gegen Niels Högel sind am Freitag zwei Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg bis zum Ende der Ermittlungen freigestellt worden. (11.02.2019) mehr

Högel-Prozess: Zeugen droht Meineid-Verfahren

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat gegen mehrere Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg Verfahren eingeleitet. Es geht um Meineid im Prozess gegen Ex-Krankenpfleger Högel. (07.02.2019) mehr

Högel-Prozess: Aussagen sorgen für Erstaunen

Im Mordprozess gegen Ex-Krankenpfleger Niels Högel hat eine Kollegin aus Delmenhorst schwere Vorwürfe gegen die Stationsleitung erhoben. Eine andere Zeugin erzürnte dagegen den Richter. (31.01.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.02.2019 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:35
Hallo Niedersachsen
02:30
Hallo Niedersachsen
02:28
Hallo Niedersachsen