Stand: 05.04.2019 17:15 Uhr

Högel: Gutachter schätzt Todesursachen ein

Im Prozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel ist am Freitag der medizinische Gutachter der Staatsanwaltschaft, Wolfgang Koppert, befragt worden. Der Mediziner aus Hannover setzte vor dem Landgericht Oldenburg seinen Bericht über die möglichen Todesursachen der getöteten Patienten fort. Er gab weitere Einschätzungen darüber ab, welche Patienten Högel mit Medikamenten vergiftet haben könnte.

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Gutachter nennt Högel einen "kompetenten Lügner"

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Todesfälle: Wie wahrscheinlich ist Högels Schuld?

Koppert ging die Todesfälle durch, die Högel zur Last gelegt werden - der frühere Intensivpfleger ist wegen hundertfachen Mordes angeklagt. Der Gutachter teilte die Fälle im Hinblick darauf, ob Högel für den Tod des jeweiligen Patienten verantwortlich ist, in vier Kategorien ein: "möglich", "wahrscheinlich", "sehr wahrscheinlich" sowie "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit".

Beweiskraft von Lidocain noch unklar

Keine Einschätzung gab der Gutachter in den Fällen ab, bei denen der Wirkstoff Lidocain, ein Betäubungsmittel, eine Rolle spielt. Koppert zufolge ist Lidocain auch in Gels enthalten, die zum Legen einer Magensonde oder eines Katheters verwendet werden. Er könne nicht sagen, ob beim Nachweis von Lidocain im Gewebe unterschieden werden kann zwischen der direkten Verabreichung durch Högel und der Verwendung in einem Gel. Der Vorsitzende Richter beauftragte Koppert sowie den toxikologischen Gutachter Jörg Teske, diese Frage bis zum nächsten Prozesstag am 25. April zu klären. Denn für die Verteidigung ist sie von großer Bedeutung: Sollte eine Unterscheidung nicht möglich sein, würde ein Lidocain-Nachweis den Angeklagten nicht belasten.

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Ajmalin-Nachweis: Tötung "sehr wahrscheinlich"

In zahlreichen Fällen soll Högel seinen Opfern das Medikament Gilurytmal mit dem Wirkstoff Ajmalin verabreicht haben. Er hatte anschließend versucht, die Patienten wiederzubeleben, was in vielen Fällen misslang. Der Vorsitzende Richter geht davon aus, dass es bei Ajmalin im Gewebe kaum Zweifel an Högels Schuld gibt. "Allein der Nachweis von Ajmalin hat für mich hohe Beweiskraft", sagte der Richter am Freitag. Mittlerweile sei es "gerichtliches Wissen", dass Gilurytmal nur extrem selten und nur unter ärztlicher Betreuung verabreicht wurde. Gutachter Koppert stimmte zu: In fast allen Ajmalin-Fällen halte er eine Vergiftung durch Högel für "sehr wahrscheinlich".

Plädoyers am 26. April?

Beim nächsten Verhandlungstermin soll dem Richter zufolge möglicherweise der Psychiatrie-Professor Henning Saß sein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten abgeben. In diesem Fall könnten bereits am 26. April Plädoyers gehalten werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 05.04.2019 | 09:30 Uhr

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