Stand: 05.05.2017 12:20 Uhr

Größtes Windrad der Welt steht in Bremerhaven

von Oliver Gressieker

Gut ein Jahr nach seiner Schließung macht der ehemalige Flugplatz Luneort in Bremerhaven wieder von sich reden - und zwar mit einem gigantischen Projekt. Auf dem Gelände in der Nähe des Fischereihafens wird derzeit von der Firma Adwen die größte Windkraftanlage der Welt errichtet. Am vergangenen Wochenende montierte ein Spezialkran die drei Rotorblätter mit dem Rekord-Rotordurchmesser von 180 Metern an die Nabe. Das entspricht in etwa der Länge von zwei Fußballfeldern oder des Kolosseums in Rom. Wie Adwen mitteilte, stehen jetzt noch technische Arbeiten in der Gondel an, danach soll die Anlage im Realbetrieb getestet werden.

Ein riesiges Windrad wächst in den Himmel

Leistungsstärkstes Windrad der Welt

Mit einer nominalen Leistung von acht Megawatt liefert die Turbine AD 8-180 nach Angaben des Unternehmens den höchsten jährlichen Energieertrag in der gesamten Branche. "Wir sind überzeugt, dass die Anlage damit einen maßgeblichen Beitrag zur Senkung der Stromerzeugungskosten in der Offshore-Windenergie leisten wird", sagte Adwen-Marketingchef David Guiu. Aufgrund des enormen Gewichts - allein die Gondel wiegt 777 Tonnen - steht die Anlage auf einem Fundament aus 1.700 Kubikmetern Beton, das auf 51 Pfählen gegründet wurde.

Testphase bis Jahresende

Bei der in Bremerhaven errichteten Turbine handelt es sich um einen Prototypen für Offshore-Windparks. Es werde grundsätzlich ein Prototyp an Land gebaut, um die Typenzertifizierung zu bekommen und ausführliche Tests durchführen zu können, sagte ein Adwen-Sprecher. Die Testphase an den einzelnen Komponenten laufe bereits seit vergangenem Sommer und werde voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen. Dabei werde aber natürlich auch Strom produziert. Später soll die Anlage dann in Serie für drei französische Windparks mit einer Gesamtleistung von 1,5 Gigawatt gebaut werden.

Videos
28:35
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Fertigung eines Windrades

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Windkraftanlagen wandeln die Energie des Windes in elektrische Energie. Der Film verrät, wie genau die gigantischen Windräder für ihren Standort konzipiert sind. Video (28:35 min)

Prototyp dient als Forschungsanlage

Der insgesamt rund 200 Meter hohe Prototyp ist gleichzeitig auch das Kernstück eines Testfeldes des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES), das bei der Forschung eng mit Adwen zusammenarbeiten will. Ziel der Wissenschaftler ist es, durch den Erprobungsbetrieb unter realen Bedingungen wichtige Daten für die industrielle Umsetzung von Windkraftanlagen zu bekommen. "Mit dem Testfeld und der Forschungsanlage steht dem IWES eine weltweit einmalige Infrastruktur zur Verfügung", sagte Institutsleiter Andreas Reuter. "Hier können wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Optimierung von großen Turbinen gewonnen werden." Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt mit 18,5 Millionen Euro.

Experte erwartet noch größere Windräder

Nach Ansicht von Stephan Barth, dem Geschäftsführer des Zentrums für Windenergieforschung ForWind in Oldenburg, ist hinsichtlich der Größe der Windräder mit dem AD 8-180 das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. "Es gibt einen Trend, dass sowohl an Land als auch auf See die Rotoren immer länger werden, weil sich damit gleichmäßiger und effizienter Strom erzeugen lässt", sagte er im Gespräch mit NDR.de. Man habe in der Vergangenheit zwar schon häufiger gesagt, dass die Anlagen nicht mehr größer werden könnten, doch das habe nie Bestand gehabt.

Nabenhöhe über 200 Meter möglich

Möglich sei das Vordringen in neue Dimensionen aufgrund besserer Materialien und beweglicher, intelligenter Rotorblätter, die sich an die Windverhältnisse anpassen. Barth geht davon aus, dass in Zukunft die meisten Anlagen eine Gesamthöhe von 200 Metern deutlich überschreiten werden, sogar eine Nabenhöhe in dieser Größenordnung sei durchaus denkbar. Derzeitiger Rekordhalter an Land ist eine Turbine in Rheinland-Pfalz mit einer Höhe von 230 Metern. Bei Offshore-Anlagen sei die Höhe des Turmes wegen des größeren Windangebotes aber nicht so entscheidend, hier komme es mehr auf die Fläche an, die von den Rotorblättern abgedeckt wird. Auch was die Leistung angeht, erwartet Barth große Sprünge. "Wir rechnen damit, dass bis 2024 Anlagen mit bis zu 15 Megawatt am Markt verfügbar sind", so der Experte. Den Titel größtes und leistungsstärkstes Windrad der Welt wäre die AD 8-180 aus Bremerhaven dann längst wieder los.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 14.03.2017 | 15:30 Uhr

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