Stand: 06.03.2019 19:17 Uhr

"Glory Amsterdam": Warum sprach niemand Englisch?

Fast eineinhalb Jahre haben Unfallermittler die Havarie des Frachters "Glory Amsterdam" untersucht. Das Schiff war im Oktober 2017 im Sturm auf einer Sandbank vor der Ostfriesischen Insel Langeoog gestrandet - mit gut 2.000 Tonnen Schweröl an Bord. Für Langeoogs Bürgermeister Uwe Garrels (parteilos) eine bange Zeit. Bei der Vorstellung des Abschlussberichtes der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) wurden am Mittwoch die wichtigsten Gründe für die Havarie genannt: Missverständnisse im Funkkontakt und schlechte seemännische Fähigkeiten der Schiffscrew. Bürgermeister Garrels hat sich zu den Ergebnissen geäußert.

Die Glory Amsterdam.

"Glory Amsterdam": Kritik an Kapitän und Besatzung

Hallo Niedersachsen -

Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung hat ihren Abschlussbericht zur Havarie des Frachters "Glory Amsterdam" vorgelegt. Die Ermittler prangern darin schwere Versäumnisse an.

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Langeoogs Bürgermeister kritisiert die Sprachprobleme an Bord

Er kritisierte besonders die Sprachbarrieren der chinesischen Mannschaft auf der "Glory Amsterdam". "Jeder Pilot muss heutzutage Englisch sprechen können", sagte er. Das gelte offenbar nicht für einen Kapitän, der einen riesigen Frachter in deutsche Gewässer lenke. Auch für die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste ist es schwer nachzuvollziehen, dass niemand an Bord der englischen Sprache mächtig war. Die Gemeinschaft vertritt die Inseln und Kommunen im Katastrophenfall. Neben dem Kapitän gebe es immer noch einen Ersten, Zweiten und Dritten Offizier, sagte ein Sprecher der Schutzgemeinschaft.

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"Wertvolle Stunden verstrichen"

Ein weiterer Kritikpunkt: die Einsatz-Organisation des Havariekommandos. Trotz der Sprachprobleme hätten sich die Helfer auf dem Notschlepper "Nordic" einfach durchsetzen müssen und hätten nicht nur zugucken dürfen. Das seien klare Fehler des Havariekommandos in Cuxhaven gewesen. So seien wertvolle Stunden verstrichen, sagte Garrels. Der Notschlepper "Nordic" war damals zwar schnell vor Ort. Aber ein Hubschrauber der Bundespolizei schaffte es zunächst nicht, Spezialisten vom Schlepper aufzunehmen und sie an Bord des treibenden Frachters abzusetzen. Die Crew des Frachters wiederum verstand die Anweisungen der Helfer nicht.

Langeoogs Bürgermeister zeigte sich unterm Strich wenig überrascht über die Ergebnisse des Abschlussberichtes: "Alles, was heute veröffentlicht wurde, ist schon längst bekannt", sagte Garrels. Das habe alles schon so im Zwischenbericht Ende des vergangenen Jahres gestanden.

Bericht bemängelt schlechte Ausstattung des Havariekommandos

Laut dem Bericht der BSU hielt der Anker der "Glory Amsterdam" dem Orkan nicht stand. Außerdem sei die Maschine zu schwach gewesen, um das Schiff auf Position zu halten. Die Unfallermittler bemängeln außerdem die schlechte Ausstattung des Havariekommandos in Cuxhaven. Zum Unfallzeitpunkt hätte man dort weder Seefunk mithören noch zeitnah auf Radarbilder und elektronische Seekarten mit Schiffspositionen zugreifen können.

Das Havariekommando wollte sich bislang nicht zu dem Abschlussbericht äußern. Ein Sprecher teilte mit: Man werde sich in nächster Zeit damit ausführlich auseinandersetzen.

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Hallo Niedersachsen | 06.03.2019 | 19:30 Uhr

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