Zwei Kitesurfer sind auf dem Meer unterwegs. © picture alliance/Mohssen Assanimoghaddam Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Gericht gestattet Kitesurfen im Nationalpark Wattenmeer

Stand: 14.12.2020 18:30 Uhr

Kitesurfen ist im Nationalpark Wattenmeer auch außerhalb der ausgewiesenen Zonen erlaubt. Das hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg entschieden.

Die Richter gaben damit einer Klage von zwei Hobby-Wassersportlern statt. Die beiden Kitesurfer hatten eine zeitlich und örtlich uneingeschränkte Ausübung ihres Sports in dem Vogelschutzgebiet gefordert.

Kites sind Wasserfahrzeuge und keine Drachen

Nach Ansicht der Richter sind die Bretter und Segel der Kitesurfer als ein Wasserfahrzeug anzusehen. Ein Befahren von Bundeswasserstraßen dürfe deshalb nur durch eine Rechtsverordnung des Bundes eingeschränkt werden. Ein Kitesurf-Verbot fällt dem Beschluss zufolge somit nicht unter die geltenden Verbotsregelungen, die im Gesetz über den Nationalpark vorgesehen sind. Das Oldenburger Verwaltungsgericht hatte zuvor die Klage abgewiesen und die Kites Drachen und Modellflugzeugen gleichgestellt. Diese dürfen laut Landesverordnung nicht in geschützten Zonen wie beispielsweise an der Wurster Küste fliegen.

Keine Revision möglich

Das Urteil gilt nach Angaben einer Gerichtssprecherin zunächst nur für die beiden Kläger. Die Entscheidung dürfte aber weitreichende Folgen haben. Eine Revision zum Bundesverwaltungsgericht hat der Senat nicht zugelassen. Für das Land Niedersachsen besteht nur noch die Möglichkeit, Beschwerde gegen das Nichtzulassen der Revision einzulegen.

Lies: Von Kitesurfen geht Störungspotenzial aus

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) bedauert die Entscheidung. Klar sei, dass vom Kitesurfen ein Störungspotenzial ausgehe, für Fauna und Flora genauso wie für andere Besucher im Nationalpark, so Lies weiter. "Dieses besondere Störungspotenzial haben wir als Land erkannt und darauf im Interesse des Nationalparks mit einer Verbotsregelung reagiert. Dabei wurden als Ausnahmen einzelne Kitesurfzonen zugelassen, wo keine Störungen zu befürchten waren." Dieser Kompromiss zwischen den Interessen des Wassersports und dem Natur- und Artenschutz habe gut funktioniert.

WWF: "Schwere Störung für Vögel"

Auch der Leiter des WWF-Wattenmeerbüros, Hans-Ulrich Rösner, kritisierte die Entscheidung: "Ungeregeltes Kitesurfen im Nationalpark Wattenmeer ist eine schwere Störung für die vielen dort rastenden Wat- und Wasservögel." Um nun Chaos im Nationalpark zu vermeiden, müsse das Bundesverkehrsministerium schnell eine Änderung der Befahrensverordnung für das Wattenmeer auf den Weg bringen und mit dieser auch das Kitesurfen regeln, forderte sagte Rösner. Die neue Verordnung müsse die strengen Standards des europäischen Naturschutzrechts beachten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 14.12.2020 | 15:30 Uhr

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