Stand: 21.03.2017 11:27 Uhr

Friesenbrücke: Bund prüft Beteiligung an Neubau

Die Zukunft der Friesenbrücke bei Weener im Landkreis Leer ist weiter ungewiss. Land und Bund haben sich bei einem runden Tisch am Montagabend nicht einigen können, ob die bei einer Frachter-Kollision beschädigte Eisenbahnbrücke repariert oder erneuert werden soll. Der Bund wolle bis Ostern prüfen, inwieweit er sich finanziell an einem Neubau beteiligen würde, hieß es aus dem Niedersächsischen Verkehrsministerium. In Ostfriesland ist man über die Nachricht enttäuscht.

Unverständnis in Weener: "Nur noch lächerlich"

"Das ist ja nicht mehr glaubwürdig, wenn die Entscheidung immer wieder verschoben wird", sagte Weeners Bürgermeister Ludwig Sonnenberg zu NDR 1 Niedersachsen. Er ist sauer, dass die Zukunft der Emsbrücke 15 Monate nach dem Unfall unklar ist. Anwohner Fokko Kramer, der im Dezember noch eine große Demonstration an der Brücke organisiert hatte, findet die erneute Verzögerung "nur noch lächerlich". Die Ostfriesen fürchten letztlich auch um die Touristen: Bald beginnt die Urlaubssaison und dann wollen wieder Hunderte Radfahrer die Brücke nutzen. "Wir brauchen zumindest endlich mal einen Ersatzverkehr", so Bürgermeister Sonnenberg.

Bund zweifelt an Wirtschaftlichkeit eines Neubaus

Ein Neubau würde schätzungsweise 45 bis 50 Millionen Euro kosten, eine Reparatur etwa 30 bis 35 Millionen Euro. Die Deutsche Bahn als Eigentümerin der Brücke und Niedersachsen sind für erstere Lösung und würden jeweils 26 Millionen Euro beziehungsweise fünf Millionen Euro geben. Weitere vier Millionen stehen aus der Versicherung des Frachters zur Verfügung. Der Bund müsste dann den Restbetrag von zehn bis 15 Millionen Euro dazu schießen. Doch das Bundesverkehrsministerium stuft die Bahnstrecke bislang als nicht so wirtschaftlich ein, dass sie die Mehrkosten rechtfertigen würde.

Meyer Werft zahlt nichts dazu

Die Meyer Werft in Papenburg, die zur leichteren Überführung ihrer Kreuzfahrtschiffe einen Neu- beziehungsweise Umbau bevorzugen würde, zahlt laut Verkehrsministerium nichts dazu. Auch die Niederlande wollen einen Neubau der zerstörten Brücke nicht fördern.

Zugverkehr seit mehr als einem Jahr unterbrochen

Die Friesenbrücke ist seit Dezember 2015 außer Betrieb. Damals rammte der Frachter "Emsmoon" die geschlossene Brücke und beschädigte sie schwer. Seitdem streiten Bahn, Meyer Werft, Anwohner, Bund und Land über eine Lösung. Der Zugverkehr zwischen Leer und dem niederländischen Groningen ist seither unterbrochen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.03.2017 | 11:00 Uhr

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