Stand: 12.03.2015 19:57 Uhr

Fall Niels H.: Exhumierungen haben begonnen

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Am Donnerstag haben auf dem Friedhof von Ganderkesee die ersten Exhumierungen stattgefunden.

Ermittler auf dem Friedhof von Ganderkesee (Landkreis Oldenburg): Am Donnerstag hat die Polizei im Zuge der Ermittlungen gegen einen Krankenpfleger aus Delmenhorst begonnen, Leichen auszugraben. Die Sonderkommission ließ am Donnerstag Gräber öffnen, geplant sind dort acht Exhumierungen. "Es werden heute nicht alle durchgeführt", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zahlreiche Polizisten kontrollieren die Friedhofseingänge, das Filmen und Fotografieren ist verboten. Auch Sichtschutzwände wurden aufgebaut. Die Polizei versucht so, Schaulustige fernzuhalten.

Untersuchung in der MHH

Pathologen untersuchen die sterblichen Überreste und entnehmen Gewebe, das Experten an der MHH auf Rückstände eines Herzmedikaments untersuchen sollen. Dieses hatte der Pfleger seinen Opfern in einer Überdosis gespritzt und damit teils tödliche Komplikationen ausgelöst. Außerdem nimmt die Spurensicherung an mehreren Stellen jedes untersuchten Grabes Bodenproben, die anschließend toxikologisch ausgewertet werden.

Seelsorger auf Abruf

"Die Leichen kommen noch am selben Tag wieder zurück und werden in einem neuen Sarg beerdigt", sagte der Sprecher der Sonderkommission (Soko). Eine Gärtnerei wird das Grab anschließend wieder bepflanzen. Die Familien der Toten sind nicht auf dem Friedhof dabei. Die Polizei hat ein Team von psychologisch geschulten Beamten und Seelsorgern zusammengestellt, das sich um die Angehörigen kümmern soll, wenn diese das wünschen. Einwände gegen die Exhumierungen habe keiner von den Hinterbliebenen gehabt, hieß es. Vier weitere Exhumierungen sind bereits genehmigt - wahrscheinlich werden es nicht die letzten sein. Die Soko rechnet deshalb damit, dass sie die mögliche Mordserie erst im nächsten Jahr vollständig aufgeklärt hat.

Geständnis vor Gericht

Das Landgericht Oldenburg hatte Niels H. zuvor unter anderem wegen Mordes und Mordversuchs an Patienten im Klinikum Delmenhorst in fünf Fällen verurteilt. Vor Gericht hatte der Mann zugegeben, für den Tod von bis zu 30 Menschen verantwortlich zu sein. Die Behörden untersuchen zahlreiche Verdachtsfälle - zu diesen Ermittlungen gehören auch die Exhumierungen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 12.03.2015 | 17:00 Uhr

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