Stand: 09.08.2018 16:54 Uhr

Enercon will mit Aero Ems nichts zu tun haben

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Wie eng hängen Enercon und die Aero Ems GmbH zusammen? Unser Foto zeigt, dass vor Ort kein Unterschied gemacht wird.

Im Streit um den geplanten Stellenabbau beim Windkraftanlagen-Hersteller Enercon haben 50 Betriebsräte von Zulieferbetrieben am Mittwoch ihre Wut über das Verhalten des Unternehmens zum Ausdruck gebracht. Zusammen mit Vertretern der Gewerkschaft IG Metall forderten sie nach einem Treffen direkte Gespräche mit Enercon über die Streichungen. Von der IG Metall Leer-Papenburg hieß es, man wolle nicht über Sozialpläne und Abfindungen mit Enercon sprechen, sondern über Alternativen zum Abbau von mehr als 800 Jobs. So könnte zum Beispiel Kurzarbeit in Frage kommen. Ein Enercon-Sprecher erteilte direkten Gesprächen aber bereits ein Absage: Für Zulieferer sei Enercon nicht der Arbeitgeber und daher nicht zuständig.

"Für Enercon alles gegeben"

Diese Aussage stieß bei den Betriebsräten auf Kritik. Enercon könne sich nicht aus der Verantwortung stehlen, da die betroffenen Betriebe in Emden, Aurich, Westerstede und im emsländischen Haren ausschließlich für Enercon arbeiteten und zum Konzern gehörten, so ein Sprecher. Jahrelang habe man für Enercon gearbeitet und alles gegeben. Jetzt auf einmal sei man nur noch ein externer Zulieferer, sagte ein Betriebsrat NDR 1 Niedersachsen. Dass etwa die Aero Ems GmbH sehr eng mit Enercon zusammenhängt, belegen Fotos, die NDR 1 Niedersachsen am Werksgelände aufgenommen hat, und auf denen deutlich beide Unternehmensnamen zu sehen sind. Recherchen von NDR.de haben zudem ergeben, dass Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig auch als Geschäftsführer des Unternehmens Aero Ems GmbH fungiert.

Aero-Mitarbeiter haben Enercon-Mail-Adressen

Mit Blick auf den Rotorblatt-Hersteller bezeichnete der CDU-Landtagsabgeordnete Bernd-Carsten Hiebing die Haltung des Unternehmens als "unverschämt". Für ihn seien Aero Ems und Enercon ein Betrieb. Dafür spräche auch, dass die Harener Mitarbeiter Enercon-E-Mail-Adressen besitzen. So gehe man nicht mit Mitarbeitern um, kritisierte Hiebing den Stellenabbau. Auch Harens Bürgermeister Markus Honnigfort (CDU) zeigte sich verwundert. Er habe in all den Jahren immer nur mit Enercon-Vertretern über den Betrieb in Haren verhandelt, sagte er.

Angebot von Geld und Transfergesellschaft

Allein bei Aero Ems sollen 225 von 275 Stellen gestrichen werden. Die Mitarbeiter sollen bereits Ende August gehen, sagte Betriebsrat Rainer Hüring NDR 1 Niedersachsen. Der Geschäftsführer habe der Belegschaft schriftliche Angebote unterbreitet, die einen finanziellen Interessensausgleich beinhalten. Wie viel Geld fließen soll, darf Hüring nicht sagen. Die Summe sei aber nicht nennenswert. Außerdem solle eine Transfergesellschaft gegründet werden, die zusammen mit dem Arbeitsamt eine berufliche Perspektive für die betroffenen 225 Mitarbeiter entwickeln soll. Für heute hat der Betriebsrat in Haren die ganze Belegschaft zu einem Treffen eingeladen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.08.2018 | 08:00 Uhr

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