Stand: 20.02.2019 18:27 Uhr

Elsflether Werft: Insolvenz in Eigenverwaltung

Die Elsflether Werft AG ist zahlungsunfähig: Vorstandschef Axel Birk und sein Anwalt haben am Mittwoch am Amtsgericht Nordenham den Insolvenzantrag für das Unternehmen eingereicht. "Wir hoffen, den Betrieb kurzfristig stabilisieren zu können", sagte Rechtsanwalt Tobias Brinkmann. Das Gericht hat den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung genehmigt. Das bedeutet, dass der neue Vorstand bestimmt, wie es für das Unternehmen weitergeht. Möglicherweise können die Sanierung des Marineschulschiffs "Gorch Fock" und weitere Aufträge der Marine fortgesetzt werden. Zudem soll es Gespräche mit Investoren geben.

Anwalt der Elsflether Werft Tobias Brinkmann.

Elsflether Werft meldet Insolvenz an

Hallo Niedersachsen -

Die mit der Reparatur der "Gorch Fock" beauftragte Elsflether Werft hat einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Wie geht es nun weiter für die Mitarbeiter und das Segelschulschiff?

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Korruptionsvorwürfe: Geschäftsführung ausgetauscht

Mehrere Unterauftragnehmer haben offenbar seit Monaten kein Geld erhalten. Mitverantwortlich ist mutmaßlich die frühere Werft-Leitung. Die Staatsanwaltschaften Hamburg und Osnabrück ermitteln wegen des Verdachts der Untreue. Einer der Vorstände, der gleichzeitig Vorstand der Stiftung war, der die Werft gehört, soll Geld aus dem Unternehmen abgezogen haben. Ende Januar wurde die Geschäftsführung der Werft deshalb ausgetauscht. Einige Millionen Euro, die in zweifelhafte Firmen geflossen waren, wurden nach NDR Informationen inzwischen zurückgezahlt.

Frühere Geschäftsleitung kaufte Schürfrechte für Mongolei

Die neue Werft-Spitze hat inzwischen die Bücher durchgesehen und ist nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" auf rätselhafte Geldflüsse in Höhe von rund 20 Millionen Euro gestoßen. Ein besonders kurioser Fall ist demnach der Erwerb von Schürfrechten für eine Goldmine in der Mongolei. Einer der geschassten Geschäftsführer ist Honorarkonsul für das Land, schreibt der "Spiegel" weiter. Daneben habe die neue Werft-Leitung "sehr konkrete Hinweise auf sogenannte Kick-back-Geschäfte" gefunden: Mit Unterauftragnehmern sei vereinbart worden, dass sie überhöhte Preise für einzelne Bauteile oder Aufträge verlangen und dafür Geld zurücküberweisen.

Keine Steuererklärung seit 2016

Wie Pieter Wasmuth, neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Elsflether Werft AG, der Nachrichtenagentur dpa sagte, lag die Summe der Verbindlichkeiten Mitte Februar bei 24 Millionen Euro. Davon seien 22,3 Millionen Euro länger als 130 Tage überfällig gewesen. Das habe die Prüfung der Bücher ergeben. Auch habe sich gezeigt, dass die Werft seit 2016 keine Steuererklärung abgegeben habe. "Ich kann das nicht verstehen", sagte Wasmuth der dpa. "Es handelt sich schließlich um eine AG und Kapitalgesellschaft."

Kostenexplosion bei Sanierung der "Gorch Fock"

Aktuell liegt die "Gorch Fock" im Auftrag der Elsflether Werft bei Bredo im Bremerhavener Fischereihafen. Die Kostenexplosion bei der Sanierung hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Bedrängnis gebracht. Im Dezember ordnete die Marine einen vorläufigen Zahlungsstopp an. Zunächst waren 10 Millionen Euro für das legendäre Schulschiff eingeplant - dann stieg die Summe von 75 Millionen auf bis zu geschätzte 135 Millionen Euro. Bisher sind 69 Millionen Euro ausgegeben worden.

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Hunderte Jobs in Elsfleth und Umgebung gefährdet

Die Bundeswehr ist der größte Auftraggeber der Elsflether Werft. 80 Prozent der Umsätze generiert das Unternehmen durch die Marine. Allein bei der Werft arbeiten rund 130 Menschen. Hinzu kommen nach NDR Informationen Hunderte Beschäftigte bei Zulieferern in der Region. Die niedersächsische Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (SPD) sorgt sich um die Arbeitsplätze, die mit der Werft verbunden sind. Sie habe viele besorgte Anrufe auch von Zulieferern bekommen, die fürchteten, ihr Geld nicht mehr zu bekommen. Vom Bundesverteidigungsministerium erwartet Möller, dass die Region jetzt nicht "im Regen stehen gelassen" werde.

Schiffbaumeister auf der Gorch Fock

Wie die "Gorch Fock" zum Millionengrab wurde

Schleswig-Holstein Magazin -

Die Sanierungskosten für das Segelschulschiff "Gorch Fock" sind von zehn auf 128 Millionen Euro erhöht worden. Wie es dazu kam, zeigt ein Bericht des Bundesrechnungshofes.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 20.02.2019 | 19:30 Uhr

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