Niels Högel, angeklagt wegen hundertfachen Mordes, sitzt am Prozesstag im Gerichtssaal. © picture alliance/dpa Foto: Mohssen Assanimoghaddam

"Der Todespfleger": Buch befasst sich mit Fall Högel

Stand: 19.10.2021 15:30 Uhr

Niels Högel gilt als der schlimmste Serienmörder der Nachkriegsgeschichte. Er sitzt wegen 85-fachen Patientenmordes lebenslang in Haft. Ein Sachbuch will einen Beitrag zur Wahrheitssuche leisten.

Die Autoren, Karsten Krogmann und Marco Seng, haben sich als Journalisten viele Jahre mit dem Fall Högel befasst. Sie haben selbst von den monatelangen Prozessen gegen den heute 44-Jährigen berichtet. Sie haben mit Angehörigen gesprochen, mit Verteidigern und Ermittlern. Sie haben tausende Aktenseiten gelesen und unzählige Stunden im Gericht verbracht. All das ist die Grundlage für ihr Buch "Der Todespfleger", das jetzt erschienen ist.

Warum stoppte niemand das Morden?

Auf 317 Seiten erzählen die Autoren die Geschichte der Opfer und der Angehörigen, schildern die Prozesse und Verbrechen des 2019 wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilten ehemaligen Krankenpflegers. Sie stützen sich dabei auch auf zahlreiche Akten und Protokolle. Über allem steht die Frage: Warum stoppte Högel niemand? Am Landgericht Oldenburg soll Anfang 2022 ein weiteres, umfangreiches Gerichtsverfahren beginnen. Dann geht es darum, inwieweit ehemalige Vorgesetzte und Kollegen Verdachtsmomente gegen Högel übergingen.

Buch soll Högel keine Bühne bieten

Niels Högel wurde im Juni 2019 wegen 85 Morden an Patientinnen und Patienten in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst zu lebenslanger Haft verurteilt. Mit dem Mörder selbst haben die Autoren nie gesprochen. "Eine weitere Bühne für neue Lügen sollte man ihm nicht bieten. Er muss jetzt hinnehmen, dass andere die Geschichte erzählen", schreiben Krogmann und Seng.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 22.09.2021 | 20:00 Uhr

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