Stand: 24.07.2020 11:36 Uhr

Der Insta-Cop: Leers Polizeichef geht in Rente

Der Polizeidirektor der Polizeiinspektion Emden/Leer hält lächelnd ein Smartphone in der Hand. © dpa - Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Der Leeraner Polizeichef Johannes Lind stellt seine Aktivitäten in den Sozialen Medien ein.

Fünf Jahre hat Johannes Lind, Leiter der Polizeiinspektion Leer/Emden, aus seinem Arbeitsalltag getwittert und auf Facebook Videos hochgeladen. Bundesweit war der heute 61-Jährige damit wohl der erste Polizist, der sich mit persönlichen Schilderungen in die sozialen Netzwerke wagte. Sein Ziel: Nähe und Vertrauen zu den Menschen aufzubauen. "Wenn jetzt etwas passiert und du musst die Leute erreichen, dann kannst du sie erreichen", sagt Lind. Rund 7.000 Menschen verfolgen seine Aktivitäten auf Facebook. Nun aber verabschiedet sich der Pionier aus der Netzwelt.

"Authentizität vor Professionalität"

Als Anfang des Jahres Dutzende Beutel Rattengift in Emden abgelegt wurden, aktivierte Lind die Handykamera und warnte die Menschen. "Ich bin dann auch mal nervös und meine Sachen sind nicht perfekt", sagt er. Das müssten sie aber auch nicht sein. Sein Leitsatz im Netz sei "Authentizität vor Professionalität". Vor dem "Du" schreckt der Polizeichef in seinen Ansprachen ebenso wenig zurück wie vor Emotionen. Als erneut falsche Polizisten in der Region Seniorinnen um 50.000 Euro betrogen hätten, sei er "natürlich wütend auf diese Verbrecher" gewesen. Spontan wandte er sich in einem Video an Enkel: "Bitte, liebe junge Leute, die ihr Facebook und Twitter und Instagram guckt, warnt eure Omas und Opas", erzählt er. 250.000 Menschen habe er auf diesem Weg erreicht. "Das versuchen Sie mal als Lokalzeitung", sagt Lind.

Polizeichef beginnt den Ruhestand im Netz

Anfangs habe Lind bei seinen Kollegen Überzeugungsarbeit leisten müssen. "Was machst denn du da im Netz? Das ist ja gar nicht nötig, das ist gar nicht unser Job", das seien die Reaktionen gewesen. Zumal 90 Prozent dieser Arbeit in die Freizeit fielen. Die Ansichten hätten sich aber schon vor langer Zeit geändert, weil Lind nicht nachließ. Soziale Medien seien in jeder Besprechung mit den Kollegen ein Thema. Von seinem Dienstherrn, dem niedersächsischen Innenministerium, habe es an seinen Netzaktivitäten "zu keiner Sekunde auch nur den Hauch einer Kritik gegeben", sagt Lind. "Das hätte ich mir nicht bieten lassen, das ist mein Account." Ende des Monats beendet der 61-Jährige aus einem anderen Grund sein Dasein als Insta-Cop - als ersten Schritt in seinen Ruhestand.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 24.07.2020 | 08:30 Uhr

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