Corona-Inzidenzwert erreicht in Delmenhorst 135,4

Stand: 11.10.2020 17:40 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Delmenhorst hat sich auch am Sonntag weiter vergrößert. Nach 15 weiteren Corona-Fällen stieg auch die Sieben-Tage-Inzidenz erneut deutlich.

Erst am Donnerstag hatte Delmenhorst den Grenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner überschritten und gilt seitdem als Risikogebiet. Am Freitag war der Wert nach Angaben des örtlichen Gesundheitsamtes auf 89,0 gestiegen. Von Freitag auf Sonnabend waren dann 23 neue Corona-Fälle registriert worden. Am Sonntag meldete die Stadt einen weiteren Anstieg und aktuell 108 registrierte infizierte Personen. Damit stieg auch die Sieben-Tage-Inzidenz von 117,1 am Sonnabend auf aktuell 135,4 Infizierte je 100.000 Einwohner. Drei Betroffene befinden sich laut Stadt mittlerweile in stationärer Behandlung. 379 Menschen befanden sich den Angaben zufolge am Sonntag in Quarantäne.

Unterschiedliche Angaben zum Inzidenzwert

In den Daten des niedersächsischen Gesundheitsministeriums sieht die Lage für Delmenhorst jeweils etwas besser aus. In den übermittelten Daten wies das Land für die Stadt am Sonntag einen Inzidenzwert von 90,3 aus. Die Stadt Delmenhorst erklärt die Unterschiede gegenüber den offiziellen Angaben des Landes mit Verzögerungen durch die Übermittlungen. Auch andere Landkreise in Niedersachsen überschritten den Grenzwert in den Daten des Gesundheitsministeriums zum Teil bereits deutlich. Dazu zählten laut Land am Sonntag auch Cloppenburg (103,7), der Landkreis Wesermarsch (51,9), der Landkreis Vechta (50,4), der Landkreis Emsland (52,6) und die Grafschaft Bentheim (70,0).

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Gesundheitsamt: Lage angespannt

Ein schnelles Absinken der Infektionszahlen ist in Delmenhorst offenbar nicht zu erwarten. Helge Schumann, Leiter des Gesundheitsamtes, verweist auf die Entwicklung der vergangenen Tage. Entsprechend gehe er derzeit davon aus, dass es in den nächsten Tagen bei den hohen Fallzahlen bliebe. Die Lage sei sehr angespannt, so Schumann. Die Infektionen haben sich nach Angaben der Stadt innerhalb von Familien ausgeweitet. Bei der Kontaktverfolgung gebe es ansonsten keine Zusammenhänge zwischen Infizierten. Schumann vermutet, dass der Anstieg auch durch Infektionen von außerhalb der Stadt zunehme. Delmenhorst sei kein gallisches Dorf, mit den Nachbarn Bremen und dem Landkreis Wesermarsch findet "ein vielfältiger Austausch statt“. Der Delmenhorster Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD) hatte zuvor angekündigt, dass man jeder Spur nachgehen und dafür sehr genau recherchieren werde. Dafür seien zusätzliche Mitarbeiter ins Gesundheitsamt geholt worden.

Stadt schränkt private Treffen ein

Delmenhorst hat als Reaktion auf die Entwicklung bereits am Freitag die Schulen geschlossen, die Maskenpflicht wurde ausgeweitet. Diese gilt jetzt beispielsweise auch für alle Besucher von Märkten, also auch für Passanten, die dort nicht einkaufen. Per Allgemeinverfügung wurden zudem private Zusammenkünfte eingeschränkt. Maximal zehn Menschen dürfen sich nun treffen. Dies gilt sowohl für die eigene Wohnung als auch unter freiem Himmel. In öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten und Gastronomiebetrieben gilt eine Obergrenze von 25 Menschen. Diese Regelung deckt sich mit den für Risikogebiete greifenden Maßnahmen der seit Freitag geltenden Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen. Die Stadt Delmenhorst appelliert an die Bevölkerung, die Kontaktbeschränkungen und die Corona-Regeln einzuhalten und verweist auf "strenge Kontrollen" durch Stadt und Polizei.

Bürgertelefon

  • Die Stadtverwaltung Delmenhorst hat angesichts der Entwicklung ein Bürgertelefon unter der Telefonnummer (04221) 99 22 71 eingerichtet.
  • Es ist montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 10 bis 13 Uhr besetzt.

Besuchsverbot im Josef-Hospital

Mehrere geplante Veranstaltungen wurden bereits abgesagt. Neben einem für diesen Sonnabend geplanten "Bummeltag" und einem Designmarkt wurde auch der Laternenumzug am 23. Oktober gestrichen. Das Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) hat zudem ein Besuchsverbot erlassen. Ausgenommen davon sind unter anderem Angehörige, die einen Patienten besuchen, der lebensbedrohlich erkrankt ist.

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