Stand: 19.09.2020 15:16 Uhr

Coastal Cleanup Day: Großes Aufräumen an der Küste

Rieke Gruber (von links nach rechts), Jenny Thiel und Rainer Büscher, alle drei Mitglieder vom BUND/Jugend (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), sind während einer Müllsammel-Aktion anlässlich des "World Cleanup Days" mit Müllsäcken am Strand unterwegs. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Säckeweise Müll haben die Helfer beispielsweise am Strand von Hooksiel gesammelt.

Dutzende Menschen haben an diesem Sonnabend die Strände und Deiche an Niedersachsens Nordseeküste von herumliegendem Müll befreit. Allein in Wilhelmshaven füllten die Freiwilligen innerhalb von drei Stunden 20 große Müllsäcke. "Wir haben sogar ein ganzes Schlauchboot und ein Bügelbrett gefunden", sagte Rainer Büscher vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Anlass für die Müllsammelaktion war der International Coastal Cleanup Day, zu dem die US-Umweltorganisation Ocean Conservancy seit mehr als 30 Jahren immer wieder aufruft.

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Findet ein Umdenken in den Köpfen statt?

Gute Nachrichten gab es aus der Gemeinde Wangerland. "Es war diesmal deutlich weniger Müll. Wir machen das ja schon seit sechs Jahren", sagte Annette Janssen. Sie hofft, dass die Menschen langsam umdenken und ihren Müll nicht einfach am Strand liegen lassen. Denn an den Folgen der Plastikverschmutzung sterben jedes Jahr unzählige Meerestiere. Weil der Müll oftmals auch über Flüsse in die Meere gespült wird, sammelten auch in Bremen rund 90 Freiwillige den herumliegenden Müll auf. Isabelle Maus vom BUND schätzt, dass allein wieder mehr als 20.000 Kippenstummel bei der Aktion zusammenkommen - wie bei einer Sammlung vor zwei Jahren. Weitere Müllsammelaktionen gab es unter anderem auf der Insel Norderney und in Wittmund.

Überall Müll an Nord- und Ostsee

Bis 2020 sollte laut der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie von 2008 eigentlich ein "guter Umweltzustand" in den Meeren erreicht werden. Hinsichtlich des Aspekts "Müll im Meer" bedeute dies, dass "die Eigenschaften und Mengen der Abfälle im Meer […] keine schädlichen Auswirkungen auf die Küsten- und Meeresumwelt" haben. Die Bundesregierung räumte auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag jedoch ein, dass dieses Ziel in Nord- und Ostsee verfehlt wurde. Die Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen liegt dem NDR vor. Darin heißt es unter anderem weiter, dass im vergangenen Jahr an der Nordsee durchschnittlich 550 Müllteile pro Strandabschnitt gefunden wurden. Laut Bundesregierung ist der Müll an der Küste und auf dem Meeresboden von Nord- und Ostsee überall verbreitet. "Abnehmende Trends in der Müllbelastung der Strände (...) sind im Beobachtungszeitraum 2009 bis 2014 nicht festzustellen", heißt es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.09.2020 | 09:00 Uhr

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