Stand: 19.06.2019 19:51 Uhr

Bund will "Gorch Fock"-Entscheidung kippen

Die "Gorch Fock" in altem Glanz. Nun verschlingt ihre Sanierung Millionen und beschäftigt Gerichte.

Das Bundesverteidigungsministerium will die Entscheidung des Landgerichts Bremen zur "Gorch Fock" anfechten und Beschwerde beim Oberlandesgericht einlegen. Das Landgericht hatte es am Dienstag abgelehnt, im Eilverfahren eine einstweilige Verfügung gegen die Bremerhavener Bredo-Werft zu erlassen. Die Werft will das Schiff als Pfand einbehalten: Man werde es nur wie geplant am Freitag ausdocken, wenn der Bund bis dahin gut fünf Millionen Euro für offene Rechnungen bezahlt. Als Eigentümer der "Gorch Fock" werde das Ministerium alles daran setzen, dass das Segelschulschiff vertragsgerecht ausgedockt werden kann, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Bredo-Werft hofft auf außergerichtliche Einigung

Das Landgericht hatte mitgeteilt, dass der Streit nicht eilbedürftig entschieden werden müsse. Damit will sich die Bundesregierung nun aber nicht abfinden. "Dass der Bund diesen Weg beschreitet, damit war leider zu rechnen", sagte Bredo-Geschäftsführer Dirk Harms nach der Ankündigung des Bundesverteidigungsministeriums. Die Werft hoffe dennoch weiterhin auf eine außergerichtliche Einigung, um die "Gorch Fock" am Freitag ausdocken zu können. Vorgesehen ist, den Rumpf dann langsam ins Wasser zu lassen und seinen Zustand eingehend zu prüfen. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass die "Gorch Fock" fertiggestellt wird. Die Werft hat nach eigenen Angaben noch kein Geld für die Reparatur des Schiffsrumpfes erhalten. Der jetzt geforderte Abschlag von 5,1 Millionen Euro entspräche etwa der Hälfte der Außenstände von 10,5 Millionen.

Ermittlungen gegen Vorstände der Elsflether Werft

Die Kosten der Instandsetzung des Segelschulschiffs der Marine waren zuvor explodiert. Zehn Millionen Euro waren ursprünglich veranschlagt worden, inzwischen geht man von mehr als 135 Millionen aus. Die Elsflether Werft, Generalauftragnehmer der Sanierung, hatte im Februar Insolvenz angemeldet. Die Bremerhavener Bredo-Werft fungiert als Subunternehmer, dort liegt das Schiff im Dock. Die Osnabrücker Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden entlassenen Vorstände der Elsflether Werft wegen des Verdachts der Untreue. Sie sollen rund 20 Millionen Euro an Einnahmen in Nebengeschäfte mit Firmen gesteckt haben, an denen sie selbst beteiligt sein sollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 19.06.2019 | 17:00 Uhr

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