Demonstrierende mit gelben Fahnen blockieren auf Gleisen stehend und sitzend eine Brücke. © Nord-West-Media TV

Atomkraftgegner rechnen mit Castor-Transport Anfang November

Stand: 01.10.2020 15:15 Uhr

In der Wesermarsch rechnen Atomkraftgegner damit, dass der Castor-Transport Anfang November im Hafen von Nordenham eintrifft. Sie fordern Angaben darüber, ob die Transportschiffe auch geeignet sind.

"Nach unseren Informationen müssen wir mit dem Castor-Transport ein paar Tage vor oder nach dem 1. November rechnen", sagte Hans-Otto Meyer-Ott vom Arbeitskreis Wesermarsch am Donnerstag. Er forderte klare Angaben darüber, ob die infrage kommenden Schiffe überhaupt für den Transport geeignet seien.

VIDEO: Niedersachsen protestieren gegen Atommüll (1 Min)

Atomkraftgegner: "Ankunft zu 99 Prozent in Nordenham

In der vergangenen Woche hatte die beauftragte Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) mitgeteilt, dass die Vorbereitungen für den im Frühjahr wegen des Coronavirus verschobenen Rückführungstransport von Sellafield (Großbritannien) nach Biblis (Hessen) wieder aufgenommen worden seien. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung hatte zuvor eine entsprechend geänderte Transportgenehmigung erteilt. Ein konkretes Datum hatte die Behörde noch nicht mitgeteilt - nur dass der Transport bis Ende dieses Jahres erfolgen solle. Auch der Anlaufhafen Nordenham wurde nicht bestätigt. Davon geht Meyer-Ott aber zu "99 Prozent" aus.

Gegner wollen "Castor-Alarm" auslösen

Wie Meyer-Ott weiter sagte, beobachte man den Hafen Sellafield vor Ort und die vier für den Transport infrage kommenden Schiffe auch über das Internet. "Von Sellafield bis Nordenham sind es etwa zwei Seetage", so Meyer-Ott. Sobald gesicherte Erkenntnisse über den Start des Transports vorlägen, werde der sogenannte Castor-Alarm ausgelöst und es würden Protest-Gruppen von der Wesermarsch bis nach Biblis informiert. Ursprünglich war der Transport von sechs Behältern mit radioaktiven Abfällen ab 1. März dieses Jahres vorgesehen gewesen.

Sind Schiffe sicher und geeignet?

Die Atomkraftgegner forderten vom Bundesamt Angaben, inwieweit die die vier aus seiner Sicht infrage kommenden Transportschiffe sicher und geeignet seien. Es müsse eine Situation wie 2012 vermieden werden, als ein Schiff kurz nach einem Castor-Transport nach Deutschland wegen Sicherheitsmängeln habe verschrottet werden müssen, warnte der Arbeitskreis Wesermarsch in einem Schreiben an die Behörde.

Innenministerium: Polizei bereitet sich auf Castor-Einsatz vor

Das niedersächsische Innenministerium verwies darauf dass die die Prüfung in die Zuständigkeit des Bundesamtes falle. Deutschland habe sich durch völkerrechtliche Verträge zur Rücknahme der bei der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Sellafield anfallenden radioaktiven Abfälle verpflichtet. Daraus ergebe sich der polizeiliche Auftrag, einen sicheren Transport der Castorbehälter zu gewährleisten. Die Polizei in Niedersachsen bereite sich derzeit auf einen entsprechenden Einsatz im vierten Quartal 2020 vor.

Weitere Informationen
Polizeibeamte tragen im April 1995 eine Demonstrantin im niedersächsischen Dannenberg weg, die ein Schild mit der Aufschrift "Stopp Castor" hält. © dpa - Bildfunk Foto: Rick

Heiße Fracht: Der erste Castor-Transport

Für Atomkraft-Gegner ist es der "Tag X": Vor 25 Jahren, am 25. April 1995, erreicht der erste Castor-Transport das Zwischenlager Gorleben im niedersächsischen Wendland - unter massiven Protesten. (25.04.2020) mehr

Eine Demonstrierende mit einem gelben Hemd und Fahne mit der Aufschrift: "Atomkraft nein Danke" steht vor Fässern mit dem Zeichen für Radioaktivität. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen

"Castor stoppen": Proteste in Niedersachsen

Noch 2020 sollen wieder Castoren aus Frankreich und Großbritannien nach Deutschland rollen. Dagegen haben Aktivisten am Sonntag in Gorleben, Grohnde und Salzgitter protestiert. (03.02.2020) mehr

Das Kernkraftwerk Grohnde in Niedersachsen bei Nacht. Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen auf. © dpa Foto: Julian Stratenschulte

23 Castor-Behälter für AKW Grohnde bestellt

Der Energiekonzern PreussenElektra hat 23 Brennelemente-Behälter für das Atomkraftwerk Grohnde bestellt. Das Kraftwerk soll Ende kommenden Jahres vom Netz gehen. (05.02.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 01.10.2020 | 13:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Traktoren stehen vor einem Gebäude. © NDR Foto: Katharina Seiler

Niedersachsens Landwirte protestieren in Berlin

Mehrere Hundert Bauern aus dem Bundesgebiet fordern vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium Gehör für ihre Sache. mehr

Ein Windpark: Windräder vor bewölktem Himmel. © picture alliance Foto: Jochen Tack

Windkraftbranche kritisiert Flaute beim Windenergie-Ausbau

Laut Wirtschaft dauerten vor allem die Genehmigungsverfahren zu lange. Beistand kommt aus der Politik. mehr

Ein stark zerstörtes Auto steht an einem Baum. Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen im Hintergrund.

Auto prallt bei Weener gegen Baum: Ehepaar in Lebensgefahr

Rettungshubschrauber brachten den 54-jährigen Autofahrer und seine Frau ins Krankenhaus. Die Unfallursache ist unklar. mehr

Ein Aufseher schließt Tür einer Geschlossenen Unterbringung auf. © picture-alliance/ dpa/dpaweb Foto: Maurizio Gambarini

Banküberfall in Augustfehn: Mutmaßlicher Täter gefasst

Die Tat ereignete sich 2019. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat jetzt Haftbefehl gegen einen Mann aus Bremen erlassen. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen