Der wegen Mordes an Patienten angeklagte Niels Högel sitzt am Prozesstag im Gerichtssaal. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

Anklage gegen Ex-Vorgesetzte von Högel: OLG muss entscheiden

Stand: 29.04.2021 13:13 Uhr

Die Staatsanwaltschaft weicht von ihrer Anklage gegen Ex-Vorgesetzte des Patientenmörders Niels Högel nicht ab. Sie hat beim Oberlandesgericht Beschwerde gegen einen Landgerichts-Beschluss eingelegt.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg halte "vollumfänglich an ihrer Anklage fest", teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. Dies schließe auch die Anklage gegen einen früheren Oldenburger Chefarzt ein, der laut Landgericht nicht vor Gericht erscheinen müsse. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft geht es um drei Morde in Oldenburg und 60 Morde in Delmenhorst. Allerdings sollen nur Oldenburger Kollegen angeklagt werden.

Landgericht lässt Anklage nur teilweise zu

Das Landgericht hatte am Dienstag verkündet, die Anklage gegen die früheren Vorgesetzten Högels nur sehr eingeschränkt zuzulassen. Die Staatsanwaltschaft warf den Beschuldigten Totschlag durch Unterlassen vor, das Landgericht ließ jedoch nur den Tatvorwurf der Beihilfe zum Totschlag durch Unterlassen zu. Das Landgericht ließ zudem keinen einzigen Anklagepunkt zu, der sich auf die Todesfälle im Klinikum Delmenhorst bezieht. Die Beschäftigten des Klinikums Oldenburg seien nicht für Patienten in Delmenhorst, sondern nur für ihre Patienten in Oldenburg verantwortlich gewesen, hieß es zur Begründung.

Wie entscheidet das Oberlandesgericht?

Warum die Staatsanwaltschaft nicht von ihrer Anklage abrücken will, muss nun die Generalstaatsanwaltschaft begründen. Danach liegt der Ball beim Oberlandesgericht. Die Richter dieser Instanz müssen dann entscheiden, in welchem Umfang die Anklage zugelassen wird. Sollte das Oberlandesgericht der Ansicht des Landgerichts entsprechen, also einer Anklagezulassung in der abgespeckten Form, dann wäre das ein herber Rückschlag für die Staatsanwaltschaft, vor allem aber auch für die Angehörigen der Mordopfer von Niels Högel.

Ex-Kollegen wegen Beihilfe angeklagt

Högel war Anfang Juni 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte nach Überzeugung des Gerichts zwischen 2000 und 2005 an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst bei seinen Patientinnen und Patienten mit überdosierten Medikamenten einen Herzstillstand herbeigeführt, um sie anschließend reanimieren zu können. Im Mordprozess war deutlich geworden, dass die Oldenburger Vorgesetzten Högel nach einem Verdacht die Kündigung nahegelegt hatten. Mit einem guten Zeugnis bewarb sich Högel dann erfolgreich in Delmenhorst, wo er weiter mordete. Deshalb sieht die Staatsanwaltschaft die Oldenburger Vorgesetzten in der Verantwortung.

Weitere Informationen
Niels Högel, angeklagt wegen hundertfachen Mordes, sitzt am Prozesstag im Gerichtssaal. © picture alliance/dpa Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Anklage gegen Ex-Kollegen von Högel eingeschränkt zugelassen

Fünf Vorgesetzte des Ex-Krankenpflegers sind wegen Beihilfe zum Totschlag durch Unterlassen angeklagt. (27.04.2021) mehr

Der wegen Mordes angeklagte Niels Högel steht im Gerichtssaal. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

Falschaussagen im Högel-Prozess: Sechs Verfahren eingestellt

Die Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Frühjahr 2019 wegen Meineides gegen zehn Zeugen. (15.12.2020) mehr

Niels Högel im Gerichtssaal. © NDR

BGH bestätigt Urteil gegen Patientenmörder Högel

Das Urteil wegen 85-fachen Mordes gegen den Ex-Krankenpfleger Niels Högel ist rechtskräftig. (11.09.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 29.04.2021 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Drei Rinder schauen aus einem Viehtransporter © imago/Christopher Rennie Foto: Christopher Rennie

Strittiger Rindertransport nach Afrika muss genehmigt werden

Das Agrarministerium hatte ihn verboten, ein Unternehmer daraufhin vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg geklagt. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen