Der wegen Mordes an Patienten angeklagte Niels Högel sitzt am Prozesstag im Gerichtssaal. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

Anklage gegen Ex-Kollegen von Högel eingeschränkt zugelassen

Stand: 27.04.2021 18:41 Uhr

Haben Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg sich im Zusammenhang mit den Morden des Ex-Krankenpflegers Högel mitschuldig gemacht? Das Landgericht Oldenburg hat eine Anklage nur in Teilen zugelassen.

Fünf frühere Vorgesetzte des ehemaligen Krankenpflegers Niels Högel müssen sich wegen Beihilfe zum Totschlag durch Unterlassen verantworten. Das teilte das Gericht am Dienstag mit. Es handelt sich dabei um einen früheren Geschäftsführer des Klinikums sowie vier weitere führende Mitarbeiter. Für die Staatsanwaltschaft und für Angehörige der Opfer von Högel bedeutet die Entscheidung allerdings einen Rückschlag - denn das Gericht hat die Anklage zusammengestrichen und nur wenige Vorwürfe zur Hauptverhandlung zugelassen.

Nur drei statt 63 Fälle zugelassen

Die Staatsanwaltschaft wollte Högels ehemalige Oldenburger Kollegen in 63 Fällen wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht bringen. 60 Fälle davon betreffen Patienten aus Delmenhorst. Die Anklage der Delmenhorster Todesfälle wurde allerdings aus formalen Gründen nicht zugelassen. Das Gericht begründete dies damit, dass die Angeschuldigten als Geschäftsführer und Ärzte beziehungsweise Pfleger lediglich für das Wohl der Patientinnen und Patienten in Oldenburg verantwortlich gewesen waren.

Ex-Kollegen wegen Beihilfe angeklagt

Zudem entschied das Landgericht nach vorläufiger Einschätzung, die Ex-Kollegen Högels für die verbleibenden drei Oldenburger Fälle nicht als Täter, sondern als Helfer anzuklagen. Sie hätten zwar die Möglichkeit gehabt, Högel zu stoppen - das mache sie aber noch nicht zu Tätern, so das Gericht. Stattdessen hätten sie nur Beihilfe zu seinen Taten geleistet, indem sie nicht eingeschritten seien - aus Angst um das eigene Ansehen sowie das der Station beziehungsweise der Klinik. Entsprechend wertet das Gericht die drei verbleibenden Taten nicht als Totschlag durch Unterlassen, sondern lediglich als Beihilfe zum Totschlag durch Unterlassen.

Gutes Zeugnis für Wechsel von Oldenburg nach Delmenhorst

Högel war 2019 vom Landgericht Oldenburg wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er zwischen 2000 und 2005 an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst Patientinnen und Patienten mit überdosierten Medikamenten getötet hat. Die Oldenburger Klinik hatte ihm 2002 einen Wechsel nahegelegt und ihn noch mit einem guten Zeugnis ausgestattet. Damit wechselte er an die Klinik Delmenhorst, wo er weiter mordete.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 28.04.2021 | 06:30 Uhr

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