Stand: 25.06.2020 07:14 Uhr

Abschlussbericht zur "MSC Zoe": Große Erwartungen

von Peter Becker

In der Nacht zum 2. Januar 2019 gerät der Containerriese "MSC Zoe" nahe der ostfriesischen Insel Borkum in stürmische See. Mehr als 300 Container gehen über Bord. Heute soll der Abschlussbericht zur Havarie vorliegen. Die Erwartungen sind groß.

Die "MSC Zoe" Anfang Januar 2019 nach dem Verlust Hunderter Container in der Nordsee vor Borkum. © picture alliance/Havariekommando/dpa
Bei stürmischer See rutschen mehr als 300 Container von Bord der "MSC Zoe". Die Bergungsarbeiten sind zeit- und arbeitsaufwendig.

Heute will die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) den Abschlussbericht zur Havarie der "MSC Zoe" veröffentlichen. Dieser Bericht wird von vielen an der Küste mit Spannung erwartet:

Die Fischer

Gerold Conradi, 2. Vorsitzender Landesfischereiverband und Krabbenfischer. © NDR
Gerold Conradi vom Landesfischereiverband hofft, dass die Routen für Containerriesen geändert werden.

"Noch immer finden wir Treibgut der 'MSC Zoe' in unseren Netzen", sagt Gerold Conradi. Als Krabbenfischer im Ruhestand vertritt er im Landesfischereiverband seine Kollegen. Vor eineinhalb Jahren havarierte die "MSC Zoe" nordwestlich von Borkum. 342 Container gingen über Bord. Seitdem hieven die Fischer mit jedem Hol neben Krabben auch Reste von Kriegsspielzeug, Kinderjacken aus Polyester oder Lampenschirme an Bord. Conradi ist sich sicher, dass der Müll aus den Containern des Havaristen stammt: "Es kann ja mal sein, dass man ein Dampfbügeleisen an Bord holt, aber wenn es Hundert sind, ist das zu viel."

Die Krabbenfischer können das Treibgut an Land kostenfrei in Containern des Naturschutzbundes NABU entsorgen. "Doch den Arbeitsaufwand, den Müll vom Fang zu trennen, den bezahlt uns niemand", sagt Conradi. Hinzu komme, dass bereits mehrere Fanggeschirre durch Metallreste der Container zerstört worden seien. Gerold Conradi hofft, dass als Konsequenz aus dem Abschlussbericht, in Zukunft die Groß-Containerschiffe bei rauer See nicht mehr so nah an der Küste vorbeifahren dürfen wie in der Sturmnacht vom 1. auf den 2. Januar 2019. Der Tiefwasserweg sei zwar länger und koste die Reedereien Geld: "Aber es ist doch besser, man kommt einen Tag später an als ohne Ladung", sagt Conradi lakonisch.

Die Insulaner

"Wir erhoffen uns ganz klare Aussagen dazu, wie die Sicherheit vor unseren Inseln erhöht werden kann", sagt Jürgen Tönjes Akkermann, Bürgermeister von Borkum. "Gefühlt hat es sehr lang bis zum Abschlussbericht gedauert. Wir hoffen, dass jetzt etwas Handfestes dabei herauskommt." Mit "wir" meint Akkermann die anderen Inselbürgermeister. Verlören Schiffe in der deutschen Bucht Ladung, dann treffe es die Ostfriesischen Inseln als erste. Die Inselbürgermeister erwarten deshalb, dass der Bericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung konkrete Vorschläge für eine Routenführung enthält - weiter entfernt von den Inseln.

Der Bürgermeister von Borkum sagt, es dürfe nicht so kommen, dass das Bundesverkehrsministerium am Ende internationale Vereinbarungen vorschiebt als Grund, keine nationalen Regeln zu treffen. Die niederländische Küstenwache warne seit Herbst 2019 große Schiffe davor, bei schlechtem Wetter die küstennahe Route zu wählen. Das zeige, was möglich sei, sagt Akkermann.

Gerhard Begemann von der Nordseeheilbad Borkum GmbH ist zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen für die Strände zuständig: "Wir wissen immer noch nicht, ob und wie viele Container der 'MSC Zoe' da draußen auf dem Grund des Wattenmeeres liegen", sagt Begemann. "Hoffentlich gibt der Abschlussbericht darüber Auskunft." Immerhin sei seit Februar kein neues Treibgut mehr an die Strände angespült worden, sagt Begemann.

Der Behördenleiter

Ulf Kaspera, Direktor Bundestelle für Seeunfalluntersuchung. © NDR
BSU-Chef Ulf Kaspera kennt die Erwartungen an den Bericht - und dämpft sie.

Ulf Kaspera ist der Direktor der BSU in Hamburg. Kaspera weiß, dass der Abschlussbericht zur Havarie der "MSC Zoe" von den unterschiedlichsten Interessengruppen erwartet wird. Viele erhofften sich von dem Bericht konkrete Aussagen darüber, welche Route für Groß-Containerschiffe die sicherste sei. Kaspera hat diese Erwartungen bereits im Vorfeld gedämpft. Zum konkreten Inhalt will sich Ulf Kaspera äußern, wenn er ab 10 Uhr den Bericht in Hamburg vorstellt.

Weitere Informationen
Die "MSC Zoe" Anfang Januar 2019 nach dem Verlust Hunderter Container in der Nordsee vor Borkum. © picture alliance/Havariekommando/dpa

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.06.2020 | 08:00 Uhr

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