Stand: 02.04.2019 09:40 Uhr

AWI-Forscher sehen Arktis in großer Gefahr

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven haben herausgefunden, dass nur noch ein Fünftel des vor Russland gebildeten Meereises die zentrale Arktis erreicht. Vor 20 Jahren seien es noch 50 Prozent gewesen, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Die Forscher befürchten erhebliche Auswirkungen auf das Ökosystem. Wenn das Eis wegen des Klimawandels frühzeitig schmelze, würden die eingeschlossenen Nährstoffe nicht mehr im Nordpolarmeer verteilt. Langfristig sei zu erwarten, dass sich die Arktis dadurch biologisch und chemisch verändere.

Satellitendaten zeigen extreme Veränderungen

"Wir werden derzeit Zeuge, wie ein wichtiger Transportstrom abreißt und die Welt einem meereisfreien Sommer in der Arktis einen großen Schritt näherkommt", sagte AWI-Forscher Thomas Krumpen. Die Bremerhavener Wissenschaftler haben die Wanderung des Meereises anhand von Satellitendaten aus den Jahren 1998 bis 2017 verfolgt. Diese würden extreme Veränderungen in der Arktis belegen, so Krumpen.

Eis wandert durch die Arktis

Die flachen russischen Randmeere gelten laut AWI als "Kinderstuben" für das arktische Meereis. Ein Teil dieses Eises wandert durch die Transpolardrift wie auf einem Förderband innerhalb von zwei bis drei Jahren einmal quer durch die zentrale Arktis bis in die Framstraße. In diesem Seegebiet zwischen Grönland und Spitzbergen schmilzt es schließlich.

Dicke des Meereises nimmt ab

Bestätigt werden die Erkenntnisse der Studie auch durch Messungen der Meereisdicke in der Framstraße. Das Eis, das die Arktis heutzutage hier verlässt, sei rund 30 Prozent dünner als noch vor 15 Jahren, betonte Krumpen. Gründe dafür seien die steigenden Temperaturen im Winter und eine früher beginnende Schmelzsaison im Sommer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 02.04.2019 | 17:00 Uhr

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