Stand: 22.01.2018 20:45 Uhr

97 Mordfälle: Neue Anklage gegen Niels H.

In der Mordserie um den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg erneut Anklage erhoben. Der Vorwurf: Mord in 97 Fällen. Davon hätten sich 62 Taten zu seiner Zeit am Klinikum Delmenhorst und 35 zu seiner Zeit am Oldenburger Klinikum ereignet, so die Behörde. Das sei das Ergebnis der Ermittlungen der Sonderkommission "Kardio" und toxikologischer Untersuchungen. Insgesamt soll H. 106 Menschen getötet haben. Für sechs dieser Fälle ist er bereits wegen Mordes verurteilt, in drei weiteren Fällen hätten die Hinweise trotz des Mordverdachts der Polizei nicht für eine Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft ausgereicht.

Zehn Umzugskartons mit Akten

Ob es nun zu einem weiteren Gerichtsverfahren gegen Niels H. kommt, muss das Landgericht Oldenburg entscheiden. "Die Akten sind heute Morgen bei uns eingegangen", sagte Gerichtssprecher Michael Herrmann. Es handele sich um zehn Umzugskartons. Wann das Gericht über einen neuen Prozess entscheidet, sei noch unklar, so Herrmann. Vermutlich müsste das Gericht wegen der Anzahl der Beteiligten sogar einen neuen Saal suchen - möglicherweise im alten Oldenburger Landtag. Rechtsanwältin Gaby Lübben, die etwa 100 Angehörige vertritt, sagte zur Anklage: "Es geht jetzt voran. Wir haben bisher in einer Warteschleife gehangen." Der Prozess sei wichtig für ihre Mandanten, um mit den Taten umzugehen und diese zu verarbeiten.

Verschiedene Medikamente eingesetzt

Bei den Taten in den Jahren 2000 bis 2005 soll der 41-Jährige laut Anklage mehrere unterschiedliche Medikamente verwendet haben. Dabei setzte er die Wirkstoffe Ajmalin, Sotalol, Lidocain und Amiodaron ein. Ihm sei bewusst gewesen, dass sie bei den Patienten lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und Blutdruckabfall auslösen könnten. Anschließend habe er sie reanimieren wollen, um vor Kollegen und Vorgesetzten mit seinen Wiederbelebungsfähigkeiten zu prahlen.

Niels H. bereits wegen Mordes verurteilt

In zwei Verfahren in den Jahren 2008 und 2015 war H. bereits verurteilt worden. Eine besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt. Damit ist eine Freilassung nach 15 Jahren nicht möglich. Auf Drängen vieler Angehöriger ermittelte die Polizei trotz der Urteile weiter. Sie ließ 134 ehemalige Patienten exhumieren und auf Rückstände der Medikamente untersuchen. In einer ähnlich großen Anzahl weiterer Todesfälle konnte nicht weiter ermittelt werden, weil die Verstorbenen feuerbestattet worden waren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.01.2018 | 11:00 Uhr

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