Stand: 13.09.2020 15:32 Uhr

Seevetal: Fahnder entdecken 250 scharfe Waffen

SEK-Einsatzkräfte stehen auf einer Straße (Themenbild). © NonstopNews
Einsatzkräfte haben am Freitagabend mindestens ein Objekt in Seevetal durchsucht. (Themenbild)

Die Polizei hat am Freitagabend in Seevetal (Landkreis Harburg) eine große Menge offenbar illegaler Waffen beschlagnahmt. Wie das Landeskriminalamt (LKA) mitteilte, wurden bei einem Mann rund 250 scharfe Schusswaffen sowie mehrere Tausend Schuss Munition sichergestellt. Bei dem Mann soll es sich laut LKA um einen rechten Aktivisten handeln. Auf Nachfrage von NDR.de sagte eine LKA-Sprecherin am Sonnabend, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt "aus ermittlungstaktischen Gründen" keine weiteren Details zu dem Verdächtigen oder zur Art und Herkunft der Waffen bekannt gegeben werden könnten.

Fahnder stellen Kriegswaffen sicher

Die Durchsuchung erfolgte auf Anordnung des Amtsgerichts Winsen (Luhe) "auf Grundlage der Gefahrenabwehr", wie das LKA in einer Mitteilung schrieb. Beteiligt an dem Einsatz waren Beamte der Polizeidirektion Lüneburg und der Abteilung Staatsschutz des LKA. Neben sogenannten Lang- und Kurzwaffen stellten die Fahnder Gegenstände sicher, die als Kriegswaffen zu deklarieren seien und gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstießen.

Rechtsextremer Reservist wegen Politikerliste entlassen

Zuletzt haben Behörden auch in Norddeutschland wiederholt in gravierenden Waffendelikten ermittelt und umfangreiche Arsenale oder sogenannte Feindeslisten sichergestellt. Und immer wieder stehen derartige Ermittlungsvorgänge im Zusammenhang mit Verdächtigen, die rechten und rechtsextremen Gruppierungen nahe stehen oder Teil dieser sind. Ende Juni entdeckte der Militärische Abschirmdienst bei einem im Landkreis Celle stationierten Unteroffizier der Reserve eine Liste mit Namen und Adressen von Politikern und anderen Prominenten. Die Bundeswehr entließ den Mann aus dem Dienst. Seitdem ermittelt der Staatsschutz.

Chats führen auf die Spur von Rechtsextremen

Chats mit rechtsextremen Inhalten führten die Fahnder über den Ex-Reservesoldaten zu weiteren Verdächtigen. Kurze Zeit später ließ die Staatsanwaltschaft Lüneburg zehn Objekte in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen durchsuchen. Dabei stellten Fahnder Waffen, Waffenteile, Munition, elektronische Speichermedien und Tonträger sicher. Gegen sechs Beschuldigte, die zum Teil wie der Verdächtige aus Seevetal rechtsextremer Gesinnung sein sollen, wird wegen Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.09.2020 | 09:00 Uhr

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