Stand: 31.08.2018 09:00 Uhr

Schäfer mit Waffen gegen Wolf? Ministerium warnt

Der Förderverein der Deutschen Schafhaltung hat erneuten Schwung in die Debatte um die Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen und die Nutztierrisse gebracht. Der Vorsitzende des Vereins, Wendelin Schmücker, Schäfer aus Winsen (Luhe), fordert, dass sich Schäfer bewaffnen dürfen, um Wölfe von ihren Herden zu vertreiben. Schmücker will dabei voran gehen: Nach eigenen Angaben hat er beim Landkreis Harburg beantragt, dass er eine Waffe erwerben, mit sich führen und gegen Wölfe einsetzen darf, wenn sich die Tiere auf 300 Meter einer seiner Schafsherden nähern. "Nur durch den Einsatz von Waffen wird der Wolf lernen, dass Weidetiere unter menschlichem Schutz stehen - und dass es besser für ihn ist, Abstand zu halten", teilte Schmücker mit.

Schusswaffen-Einsatz zum Vergrämen oder Töten

Der Schäfer sieht im Einsatz von Schusswaffen zum Vergrämen oder Töten von Wölfen die letzte Möglichkeit, seinen Betrieb zu retten. Wolfsangriffe hätten auch seinem Betrieb in der Vergangenheit sehr geschadet. Dabei ginge es nicht nur um Nutztierrisse: Die Schafe seien nach einem Zwischenfall mit einem Wolf für eine lange Zeit traumatisiert. Es würden weniger Lämmer geboren, die Schafe würde nicht ausreichend fressen, so Schmücker.

Umweltministerium: Gesetz nicht selbst in die Hand nehmen

Umweltminister Olaf Lies (SPD) reagierte auf den Vorstoß: Das Ministerium habe großes Verständnis für die Sorgen und Nöte der Weidetierhalter. Es warnt die Züchter aber auch davor, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen. Schießt derzeit jemand ohne Erlaubnis auf Wölfe, dann kann das den Schützen bis zu 50.000 Euro kosten oder auch eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren bedeuten. Um die Situation mit den Wölfen besser in den Griff zu bekommen, verspricht das Land in einem Schreiben, die Schäfer in Zukunft noch mehr zu unterstützen. Das Ministerium arbeite mit Hochdruck daran.

Schäfer enttäuscht vom Ministerium

Doch darin liege das Problem, sagte der Vorsitzende Schmücker. Er ist - wie auch andere Züchter - sauer auf das Ministerium. Dort habe man Schafhaltern in der Vergangenheit vieles versprochen, was nicht eingetreten sei, sagte er. Unter anderem sollten Wölfe mit Sendern ausgestattet werden, um die Tiere besser kontrollieren zu können.

Auch Heidschnuckenzüchter sehen Existenz bedroht

Auch der Verband der Lüneburger Heidschnuckenzüchter spricht von Schafzüchtern, die durch Wolfsangriffe in ihrer Existenz bedroht seien, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Den Griff zur Waffe hingegen empfiehlt der Verband seinen Mitgliedern nicht. Die Heidschnuckenzüchter setzen stattdessen auf Gespräche mit dem Land. Beide Verbände kritisieren unisono, dass das Land den Schäfern beim Schutz gegen die Wölfe nicht ausreichend unterstütze.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.08.2018 | 08:00 Uhr

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