Stand: 06.12.2018 16:02 Uhr

Psychotherapeuten wehren sich gegen Spahns Pläne

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Bundesgesundheitsminister Spahn bringt mit seinem Terminservice- und Versorgungsgesetz die Psychotherapeuten gegen sich auf.

Psychotherapeuten in Niedersachsen haben bereits rund 65.000 Unterschriften gegen das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Gesetz zum Terminservice in Praxen gesammelt. Damit ist die Hürde genommen, dass die Forderungen im Petitionsausschuss des Bundestages öffentlich vorgetragen werden können. Die Kritik der Therapeuten richtet sich vor allem dagegen, dass künftig zuerst ein Gutachter über die Behandlung eines Patienten entscheiden soll. Dieses Verfahren verzögere eine schnelle Therapie, kritisieren die Psychotherapeuten. Ohnehin müssen Patienten bereits laut einer Wartezeitenstudie der Bundespsychotherapeutenkammer durchschnittlich fünf Monate auf eine Behandlung warten, im ländlichen Raum noch länger. Vor allem in der Region Lüneburg laufen die Therapeuten Sturm gegen den Gesetzesentwurf.

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Psychotherapeut Grosser: "Eine zwischenmenschliche Sauerei"

"Das ist völlig weltfremd", sagte Ulrich Grosser aus Handorf. Er arbeitet seit vielen Jahren als niedergelassener Psychotherapeut und berichtet im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen von einem Patienten, dessen Tochter vor einiger Zeit gestorben sei. Dieser Patient sei extrem belastet und könne dies kaum in Worte fassen. "Wenn ich mir vorstelle, dass er sich vor einem Gutachter äußern soll, dann wäre das eine zwischenmenschliche Sauerei, das geht einfach gar nicht", empört sich Grosser.

Behandler wäre nicht mehr frei wählbar

Mit ihrer Petition wollen die Psychotherapeuten erreichen, dass der umstrittene Passus aus dem Gesetzentwurf gestrichen wird. Quasi über Nacht habe Gesundheitsminister Spahn den Entwurf verändert, kritisiert Götz Schwope von der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen. Denn die Gutachterstelle würde nicht nur über eine Behandlung entscheiden, sondern auch einen Therapeuten zuweisen. Psychotherapeut Grosser weist außerdem darauf hin, dass psychisch Erkrankte ohnehin schon häufig diskriminiert werden, etwa am Arbeitsplatz. Das von Spahn angestrebte System würde diese Stigmatisierung verstärken und die Patienten noch weiter ins Abseits befördern, glaubt Grosser. "Das halte ich für einen ganz groben Fehler."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 06.12.2018 | 17:00 Uhr

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