Stand: 25.09.2020 15:10 Uhr

Corona in Freikirche: Infiziertenzahl steigt weiter

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt für einen Corona-Test einen Abstrich von einer Frau © picture alliance/dpa Foto: Moritz Frankenberg
Im Landkreis Rotenburg nehmen die Corona-Fälle deutlich zu. (Themenbild)

Nach einem Corona-Ausbruch in einer Freikirche in Westertimke bei Tarmstedt ist die Zahl der im Landkreis Rotenburg positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen weiter angestiegen. 43 der aktuell 53 Infektionen im Landkreis stünden in Zusammenhang mit der freikirchlichen Christengemeinde, teilte der Landkreis am Freitag mit. Gegenüber Donnerstag wurden 25 neue Fälle gezählt, 21 mit Bezug zu dem Ausbruch in Westertimke. Schwere Krankheitsverläufe waren zunächst nicht bekannt.

Mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet

Der Landkreis geht davon aus, dass die Zahlen weiter steigen. Über 200 Testergebnisse stünden noch aus, hieß es am Freitag. Von dem Ausbruch sind auch drei Kitas und vier Schulen betroffen. 279 Menschen sind in Quarantäne. Die Entwicklung soll auch rechtliche Folgen haben. "Es werden mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet", hieß es.

Infektionen verzögert gemeldet: Kreis prüft Bußgeld

Das Gesundheitsamt führt den Anstieg auf mehrere Gottesdienste in der Gemeinde zurück, bei denen auch gesungen wurde. Als die ersten Fälle auftraten, wurde das Gesundheitsamt nach Angaben eines Kreissprechers erst verzögert informiert. Das Infektionsgeschehen sei dadurch nun sehr dynamisch, hieß es. Jegliche Treffen seien untersagt worden. Zudem prüft der Landkreis, ob ein Bußgeldverfahren eingeleitet wird. Neben der verspäteten Meldung über Infektionen seien auch die erfassten Kontaktdaten der Gottesdienstbesucher nur verzögert übermittelt worden.

Corona-Lage im Landkreis Rotenburg

  • Der Landkreis Rotenburg ist nach eigenen Angaben im bundesweiten Vergleich bislang relativ milde durch die Pandemie gekommen (Stand 11. September 2020).
  • Nach einem ersten Anstieg Anfang April war das Infektionsgeschehen demnach im Landkreis fast vollständig zum Erliegen gekommen.
  • Im August gingen die Zahlen dagegen deutlich nach oben. Als Haupttreiber gelten Reiserückkehrer sowie der Ausbruch in einem Ikea-Logistikzentrum in Elsdorf.

Kirchengemeinde weist Vorwürfe zurück

Ein Mitglied der Gemeinde wies diese Vorwürfe auf Nachfrage von NDR 1 Niedersachsen zurück. Man habe sich zeitnah beim Gesundheitsamt gemeldet und sämtliche Besucherlisten ausgehändigt. Auch habe man sich bei den Gottesdiensten an der Niedersächsischen Corona-Verordnung orientiert und sich so gut wie möglich daran gehalten. Ein Gesangsverbot sei dort nicht erkennbar gewesen, sagte das Gemeindemitglied. Robert Gaydacz, stellvertretender Vorsitzender der Gemeinde, sagte dem Evangelischen Pressedienst, dass im Gottesdienst offen gesungen worden sei - so wie vor der Corona-Zeit. Zur Gemeinde gehören nach seinen Angaben zwischen 80 und 100 Mitglieder. Etwa 60 haben nach seiner Schätzung am letzten Gottesdienst vor dem Corona-Ausbruch teilgenommen.

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"Mit Akzeptanz der Corona-Regeln nicht so weit her"

In den vergangenen Monaten war es bundesweit wiederholt in Kirchengemeinden zu Corona-Ausbrüchen gekommen. So wurden im Juni in Bremerhaven und im angrenzenden Landkreis Cuxhaven deutlich mehr als 100 Mitglieder einer evangelischen Pfingstgemeinde positiv getestet. Nach Angaben eines Sprechers des Sozialministeriums gibt es in Freikirchen häufiger Infektionshäufungen, weil die Mitglieder in großen Familien zusammenlebten und untereinander engen Kontakt hätten. "Wir bekommen die Rückmeldung, dass es mit der Akzeptanz der Corona-Regeln nicht so weit her ist", sagte der Sprecher. Auf direkte Ansprache hin zeigten die Betroffenen sich aber einsichtig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.09.2020 | 17:00 Uhr

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