Stand: 29.07.2020 16:22 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Coca-Cola und das Wasser: Ärger in Reppenstedt

von Marlene Kukral
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Bei Lüneburg soll bald aus einem dritten Brunnen Wasser für die "Vio"-Produktion sprudeln.

Apollinaris Brands, ein Tochterunternehmen von Coca-Cola, produziert Mineralwasser. Die Firma will künftig in Reppenstedt bei Lüneburg 350 Millionen Liter Wasser fördern. Ein Pumpversuch soll zeigen, ob das Vorhaben an dem Standort möglich ist - ohne Auswirkung auf die Umwelt zu haben. Doch bei den Bürgern und in den umliegenden Gemeinden regt sich Widerstand gegen das Vorhaben.

Coca-Cola verweist auf Jobs

Das Unternehmen hat trotzdem bereits begonnen, einen weiteren Brunnen zu bauen. Zwei Brunnen unterhält Coca-Cola bereits in Lüneburg, nun soll der dritte dazu kommen. "Wir wollen mit dem dritten Brunnen den Produktionsstandort und damit die gut 200 Arbeitsplätze sichern", sagt Betriebsleiter Thorsten Kiehn. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren Millionen Euro in den Ausbau des Standorts investiert. Die Anlagen seien aber momentan nicht ausgelastet, so Kiehn. "Wir könnten also schon jetzt deutlich mehr Wasser verarbeiten", sagt er.

Die Bagger sind vor Ort

Seit mehr als vier Jahren sucht Coca-Cola bereits nach einem Standort für einen weiteren Brunnen. In der Gemeinde Reppenstedt in der Nähe des Gut Brockwinkels habe man den nun gefunden, so Kiehn. Die Bagger sind vor Ort, die Baustelle für den Brunnenbau ist eingerichtet. Zwölf Wochen dauert es, dann sei der knapp 200 Meter tiefe Brunnen fertig, sagt eine Unternehmenssprecherin. Dann dürfe Coca-Cola einen Pumpversuch durchführen.

Behörde verweist auf Neutralität

Die Untere Wasserbehörde des Landkreises Lüneburg hat genehmigt, dass einmalig 118 Millionen Liter Wasser aus der Erde geholt werden dürfen. "Wir haben das als Wasserbehörde neutral zu betrachten. Uns wurden Unterlagen vorgelegt, die belegen, dass es keine negativen Auswirkungen gibt", sagt Behördenleiter Stefan Bartscht. Kritiker des Projekts können das nicht nachvollziehen. Laut einer Kreissprecherin sind beim Landkreis Lüneburg bereits fünf Widersprüche gegen den Pumpversuch eingegangen.

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Bürgermeister reicht Widerspruch ein

Auch der Bürgermeister der Samtgemeinde Gellersen Steffen Gärtner (CDU) hat einen Widerspruch eingereicht. Er mache sich wenig Hoffnung auf Erfolg, wolle aber ein Zeichen gegen das Projekt setzen. Der Landkreis kündigte an, alle Widersprüche zu prüfen. Solange dürfe auch kein Wasser gepumpt werden, so die Kreissprecherin.

"Ganz normaler Vorgang"

Der Pumpversuch ist Teil eines Gutachtens. Das muss Coca-Cola vorlegen, wenn es den eigentlichen Antrag auf dauerhafte Förderung von Wasser stellt. Ein unabhängiger Hydrogeologe erstellt dieses Gutachten, bezahlt von Coca-Cola. Auch das wirft bei den Kritikern Fragen auf. "Das ist ein ganz normaler Vorgang", sagt Bartscht von der Unteren Wasserbehörde, "der Antragsteller ist für das Gutachten zuständig. Der Landkreis kann es gar nicht leisten, selbst die Gutachten in Auftrag zu geben, dafür fehlen schlichtweg Zeit und Geld", so Bartscht.

Bürgerinitiative kämpft gegen neuen Brunnen

Auch eine Bürgerinitiative hat sich inzwischen gegründet. "Unser Wasser" heißt sie und will dafür kämpfen, dass Grundwasser nicht einfach an ein Unternehmen abgegeben wird. "In den vergangenen Jahren ist der Grundwasserspiegel stetig gesunken. Da ist es unverantwortlich, so einen Brunnen zu genehmigen", sagt die Vorsitzende Bettina Schröder-Henning. Sie sieht hier auch das Land Niedersachsen in der Pflicht, den Kommunen bei einem nachhaltigen Wassermanagement zu helfen.

Sprechstunde beim Softdrink-Giganten

Coca-Cola hört die Kritik und will mit den Bürgern in Dialog treten. Es seien mehrere Bürgersprechstunden geplant, so Betriebsleiter Kiehn. "Da können sich die Bürger direkt vor Ort an der Baustelle informieren." An dem Vorhaben hält das Unternehmen aber fest. Die Wassermenge, die Coca-Cola künftig entnehmen will, entspreche etwa zwei Prozent der Gesamtmenge, die dort gefördert werden darf, heißt es von Coca-Cola. Man sei sich sicher, dass sich das wenig auf die Umwelt auswirke, werde das aber genau beobachten. Wenn für das Unternehmen alles nach Plan läuft, dann könnte der neue Brunnen bereits im Laufe des kommenden Jahres in Betrieb genommen werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 29.07.2020 | 08:30 Uhr

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