Stand: 07.09.2017 08:50 Uhr

Bürgermeisterin pfeift Anti-Rechts-Bündnis zurück

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Die "Ludendorffer" beschäftigen die Menschen im Stadtteil Dorfmark regelmäßig.

Die Bürgermeisterin von Bad Fallingbostel, Karin Thorey (parteilos) hat dem "Bündnis gegen Ludendorffer" die Genehmigung für einen Info-Abend entzogen. Das Bündnis, in dem unter anderem Vertreter aus Politik und Gewerkschaften aktiv sind, engagiert sich gegen den rechtsextremen "Bund für Gotteserkenntnis", auch bekannt als "Ludendorffer". Deren Mitglieder treffen sich seit fast 40 Jahren immer zu Ostern in Bad Fallingbostels Stadtteil Dorfmark. Der Info-Abend sollte am Freitag im Ratssaal stattfinden. Das Bündnis wollte dabei über den als rechtsextrem geltenden Freundeskreis Niedersachsen-Thüringen und seine Verbindungen zu einem Paar aus Dorfmark informieren und diskutieren.

Veranstaltung soll trotzdem stattfinden

Die Bürgermeisterin begründete ihre Entscheidung in einer E-Mail, die dem NDR vorliegt. In der Stellungnahme nennt Thorey formale Gründe. Sie habe rechtstaatliche Prinzipien gefährdet gesehen, da ihrer Ansicht nach dahinter eine auf Personen zugespitzte Kampagne vermutet werden könnte. Außerdem habe die Stadt starke Sicherheitsbedenken, da nicht auszuschließen sei, dass auch Personen aus dem Nazi-Umfeld zum Info-Abend kommen. Heinz-Dieter Braun ist Sprecher des Bündnisses und Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Er kritisiert Thoreys Entscheidung: "Die fällt eine Entscheidung nach Gutsherren- oder Gutfrauen-Art." Das Bündnis kläre genauso über die lokale Nazi-Szene auf wie Gruppen anderswo.

Das Bündnis prüft, ob es gegen die Entscheidung klagen wird. Die Veranstaltung am Freitag soll trotz aller Querelen an einem anderen Ort stattfinden. Ersatz sei schon gefunden.

"Bund für Gotterkenntnis"

Der 1937 gegründete "Bund für Gotterkenntnis" beruft sich auf die Lehren von Mathilde Ludendorff (1877-1966), die antichristliche und vor allem antisemitische Propaganda betrieb. Als "Gotterkenntnis" bezeichnet der Bund dabei die Philosophie Ludendorffs. Sie hatte die Menschen in zwei Rassen eingeteilt, in "Licht-" und "Schachtrasse". Die sogenannten Ludendorffer warnen vor einer "Blutsvermischung", die zum "Volkstod" führe. 1961 verboten die westdeutschen Länder den "Bund für Gotterkenntnis" wegen verfassungsfeindlicher Betätigung, ein Gericht hob das Verbot 1976 jedoch wegen Verfahrensfehlern wieder auf.

 

Weitere Informationen

Internationaler Protest gegen "Ludendorffer"

Gegen die Ostertagung der rechtsextremen "Ludendorffer" in der Lüneburger Heide hat es diesmal Proteste von Jugendlichen aus aller Welt gegeben. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

Regional Lüneburg | 06.09.2017 | 17:00 Uhr

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