Wegen Corona: Mehr Alkoholkonsum bei Jugendlichen befürchtet

Stand: 21.07.2021 15:50 Uhr

Suchtberater fürchten, dass der Alkoholkonsum von Jugendlichen in der Corona-Pandemie zugenommen hat. Sie fordern höhere Steuern und verpflichtende Ausweiskontrollen.

"Der Zugang von Jugendlichen zu Alkohol muss deutlich erschwert werden“, sagte Torsten Köster von der Suchtberatungsstelle STEP dem NDR Niedersachsen. "Zum Beispiel muss es in Supermärkten oder Kiosken bessere Alterskontrollen geben. Wenn man Alkohol kauft, muss es zur Pflicht werden, seinen Ausweis vorzulegen." Bisher sei es den Verkäufern überlassen, im Verdachtsfall danach zu fragen.

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Komasaufen mit Alkopops dank Verteuerung eingedämmt

Und durch höhere Steuern könnte man den Kauf von Alkoholika verteuern. "Durch eine Erhöhung des Preises würde sich der Konsum reduzieren. Und die Einnahmen könnten Beratungen zugute kommen." Köster, der die Beratungsabteilung der STEP Niedersachsen leitet, verweist darauf, dass vor einigen Jahren das sogenannte Komasaufen mit Alkopops Sorgen bereitete. Auch da hätten eine Verteuerung und Kontrolle zu Erfolgen geführt, das Phänomen habe eingedämmt werden können und sei in den Beratungsstellen mittlerweile kein Thema mehr.

Suchtfolgen der Pandemie in zwei bis drei Jahren sichtbar

Dennoch erwartet Köster, dass in der Corona-Pandemie mehr Alkohol hinter verschlossenen Türen getrunken wurde: "Was jetzt in den Wohnungen passiert, das können wir nur vermuten. Da werden wir eine hohe Dunkelziffer haben." Erst in zwei oder drei Jahren werden seiner Einschätzung nach die Suchtfolgen der Pandemie auch bei Jugendlichen sichtbar werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.07.2021 | 12:00 Uhr

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